Blutzellen

Bei der akuten myeloischen Leukämie vermehren sich entartete Knochenmarkzellen unkontrolliert und reifen nicht mehr zu funktionsfähigen Blutzellen heran. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Eine Studie unter Beteiligung der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg zeigt, dass ein Wirkstoff, der für andere Krebsformen bereits zugelassen ist, auch bei akuter myeloischer Leukämie, einer Form von Blutkrebs, wirksam ist und die Lebenserwartung der Patienten verlängert. Der Wirkstoff hemmt gezielt Eiweiße, die dafür sorgen, dass Krebszellen verstärkt wachsen. An der deutschlandweiten Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Dresden haben sich 25 Kliniken beteiligt. Die Studie wurde auf der Eröffnungsfeier der weltgrößten Leukämietagung am 7. Dezember 2014 in San Francisco vorgestellt.

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine aggressive Blutkrebserkrankung, die bei der Mehrzahl der betroffenen Patienten bislang nicht beherrschbar ist. Entartete Knochenmarkzellen vermehren sich unkontrolliert und reifen nicht mehr zu funktionsfähigen Blutzellen heran. Jedes Jahr erkranken in Deutschland ca. 3.600 Menschen neu an dieser Form der Leukämie.

Gezieltes Blockieren bestimmter Eiweiße hemmt das Krebswachstum

Bestimmte Eiweiße, sogenannte Enzyme, regen Tumorzellen dazu an, sich unkontrolliert zu vermehren. „Hier greifen enzymblockierende Wirkstoffe gezielt an und bremsen bzw. unterbinden das Wachstum von Tumorzellen. Dies eröffnet in der Therapie von Krebserkrankungen völlig neue Perspektiven”, erklärt Prof. Dr. Alwin Krämer, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Molekulare Hämatologie / Onkologie von der Medizinischen Universitätsklinik V Heidelberg und dem Deutschen Krebsforschungszentrum, der die Studie in Heidelberg geleitet hat. Einer dieser Wirkstoffe (Sorafenib) hemmt eine Gruppe von Enzymen, die Tyrosinkinasen heißen. Er ist bereits zur Behandlung bösartiger Tumoren von Leber, Niere und Schilddrüse zugelassen.

267 Patienten im Alter zwischen 18 und 60 Jahren wurden in die Leukämie-Studie eingeschlossen; die Hälfte der Patienten erhielt zusätzlich zur Standard-Chemotherapie Sorafenib, die anderen ein wirkstofffreies Placebo. Nach einer Beobachtungszeit von drei Jahren war bei 56 Prozent der Patienten, die mit Sorafenib behandelt worden waren, die Leukämie nicht wieder zurückgekehrt. In der Vergleichsgruppe war dies nur bei 38 Prozent der Fall. „Die Behandlungskombination wurde im Allgemeinen gut vertragen, wenngleich die mit Sorafenib behandelten Patienten etwas öfter unter Fieber und Blutungen litten, was aber meist gut behandelbar war”, sagt Prof. Krämer. Diese Ergebnisse belegen zum ersten Mal in einer randomisierten Studie den Vorteil einer zusätzlichen Behandlung mit Sorafenib bei dieser Form der akuten Leukämien. Weitere genetische Analysen werden nun durchgeführt um zu klären, welche Patienten besonders von dieser Behandlung profitiert haben.

Internationale Studie mit weiterentwickeltem Emzymhemmer gestartet

Darüber hinaus wird eine internationale Studie die Wirksamkeit und Sicherheit eines neuen, weiterentwickelten Enzymhemmers (Quizartinib) untersuchen, von dem noch bessere Ergebnisse erwartet werden. Die Federführung innerhalb Deutschlands liegt für diese Studie bei Prof. Krämer. „Die Studienergebnisse stimmen uns sehr hoffnungsvoll, dass mit der neuen Substanz noch mehr erreicht werden kann”, erklärt Prof. Krämer.

Die Innere Medizin V Hämatologie, Onkologie, Rheumatologie des Universitätsklinikums Heidelberg ist eines der bedeutendsten Zentren in Deutschland zur Behandlung von Krebserkrankungen. Jedes Jahr werden hier ca. 100 Patienten mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie behandelt.