Die Universität Heidelberg, die Stadt Heidelberg und die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) haben einen Kompromiss zur Straßenbahn ins Neuenheimer Feld erarbeitet. Auf Einladung von Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (MdL) fanden in den vergangenen Wochen hierzu mehrere Spitzengespräche statt mit dem Ziel, durch Entgegenkommen aller Beteiligten eine Rücknahme der Klage der Universität Heidelberg sowie weiterer Kläger gegen den Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums Karlsruhe und damit einen schnellen Baubeginn zu ermöglichen.

Eine Klärung vor Gericht hätte das Risiko einer zeitlichen Verzögerung bedeutet. Dadurch wäre möglicherweise auch die Förderung durch Landes- und Bundesmittel gefährdet worden. Der Heidelberger Gemeinderat wird sich am 18. Dezember 2014 mit dem Kompromiss befassen. Sollte er ihm zustimmen und die übrigen Klagen gegen die Trassenführung (u.a. des DKFZ und der Max-Planck-Gesellschaft) ebenfalls fallen gelassen werden, ist die Universität Heidelberg bereit, ihre Klage auf der Basis eines Vergleichsvertrags zurückzuziehen.

Ministerin Theresia Bauer: „Universität, Stadt und Rhein-Neckar-Verkehr GmbH stehen kurz vor einer außergerichtlichen Einigung. Durch den Kompromiss sichern wir nicht nur ein Verkehrsprojekt von Landesinteresse, sondern auch die Belange von Wissenschaft und Forschung. Wir schaffen mehr Verbindungen zwischen Stadt und Universität – hoffentlich nicht nur im verkehrlichen Sinne.“

Eines der wichtigsten Heidelberger Verkehrsprojekte

„Die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld ist eines der wichtigsten Heidelberger Verkehrsprojekte. Deshalb sind die zwischen Stadt, Universität und Vorhabenträger gefundenen Kompromisse sehr bedeutend“, sagt Dr. Eckart Würzner, Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg: „Wir pflegen sehr gute Beziehungen zwischen Stadt und Universität. Ich bin sehr froh, dass wir uns auf dieser Grundlage auf einige Anpassungen verständigen konnten, die sich klar im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses bewegen und mit denen wir zugleich auch künftigen Interessen der wissenschaftlichen Anrainer im Neuenheimer Feld noch stärker Rechnung tragen können als zuvor.“

„Das Neuenheimer Feld ist ein Forschungs- und Wissenschaftscampus. Daher müssen die wissenschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten sowohl bereits existierender als auch zukünftiger Einrichtungen Vorrang haben vor allen anderen städtebaulichen Belangen einschließlich der Verkehrserschließung“, erklärt Prof. Dr. Bernhard Eitel, Rektor der Universität Heidelberg. In diesem Sinne sei es erforderlich, die noch vorhandenen Entwicklungsflächen so vorzuhalten, dass diese größtmöglichen Gestaltungsspielraum für die Realisierung künftiger Wissenschaftsprojekte garantieren.

Der vorgeschlagene Kompromiss

Der nun vorgeschlagene Kompromiss sieht Folgendes vor: Die RNV GmbH sichert zu, die Straßenbahntrasse im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses in einigen Details anzupassen, um dem Wunsch der Universität nachzukommen, die Entwicklungsmöglichkeiten für Wissenschaft und Forschung im Neuenheimer Feld auch künftig zu sichern. Konkret soll die geplante Trasse im Bereich des Hofmeisterweges soweit nach Süden verlegt werden, dass der Botanische Garten nur unwesentlich betroffen ist. Hierfür muss das Gebäude „Im Neuenheimer Feld 154″ weichen, da auch der Straßenverlauf der Hofmeisterstraße in diesem Fall ein Stück nach Süden verlegt werden muss.

Zudem soll ein weiterer Abschnitt hinzukommen, auf dem die Bahnen ohne Stromaufnahme aus den Oberleitungen fahren können. Damit soll vermieden werden, dass empfindliche technische Geräte und wissenschaftliche Forschungen durch elektromagnetische Emissionen beeinträchtigt werden. Neben den bereits geplanten stromlosen Abschnitten im Bereich des DKFZ und der Kopfklinik soll daher auch auf Höhe des Physikalisch-Chemischen-Instituts ein Fahren ohne externe Stromzufuhr möglich sein. Ab 2022 soll im kompletten Abschnitt zwischen Kopfklinik und Berliner Straße stromlos gefahren werden. Die von der Universität geforderte Geschwindigkeitsbegrenzung in diesem Abschnitt wurde von der RNV zugesagt.

Zusätzlich sollen die Schienen im Streckenabschnitt „Haltestelle Kopfklinik“ bis vor die „Haltestelle Geowissenschaften“ in einem punktförmigen Masse-Feder-System gelagert werden. So können eine noch stärkere Schwingungsdämpfung als ursprünglich geplant erreicht und die Auswirkung auf den Forschungsbetrieb im Bereich der Trassenführung weiter reduziert werden. Auch mit weiteren Klägern wurden Gespräche geführt, die einen positiven Abschluss erwarten lassen.

Straßenbahn ins Neuenheimer Feld als Teil des Mobilitätsnetzes Heidelberg

Die Heidelberger Straßen- und Bergbahn GmbH (HSB) als Eigentümer und die RNV GmbH als Bauherr und Betreiber planen im Auftrag der Stadt Heidelberg eine Straßenbahn in und durch das Neuenheimer Feld. Die 2,5 Kilometer lange Trasse ist im Rahmen des Mobilitätsnetzes Heidelberg ein Bestandteil der Universitätslinie. Ziel ist es, das Neuenheimer Feld mit seinen zahlreichen Kliniken und Universitätseinrichtungen durch die neue Straßenbahn und fünf neue Haltestellen wesentlich besser zu erschließen und an Hauptbahnhof und Innenstadt anzubinden. Mit Beschluss des Gemeinderates wurde der Auftrag zur Erarbeitung und Einreichung der Planfeststellungsunterlagen erteilt. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat den Planfeststellungsbeschluss am 23. Juni 2014 an die Vorhabenträger übergeben. Das baden-württembergische Ministerium für Verkehr und Infrastruktur hat die Förderanträge am 4. August 2014 an den Bund weitergereicht.