Prof. Dr. Bendszus

Prof. Dr. Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Neuroradiologie. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Die Chancen, einen Schlaganfall zu überleben und ohne Behinderung davonzukommen, haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Dazu trägt ein neuartiges Katheterverfahren bei, das insbesondere bei schweren Schlaganfällen zum Einsatz kommt. Wie es funktioniert und welchen Patienten es hilft, erklärt Neuroradiologe Prof. Dr. Martin Bendszus bei „Medizin am Abend“ am 17. Februar 2016.

Bei einem Schlaganfall, bei dem ein Blutgerinnsel eine Hirnarterie blockiert, gilt es schnell zu handeln: Der Betroffene muss umgehend blutverdünnende Medikamente erhalten, die das Gerinnsel auflösen sollen. Ist das Gerinnsel zu groß, reicht diese Behandlung jedoch nicht aus. Ein neuartiges Katheterverfahren, das in spezialisierten Zentren rund um die Uhr verfügbar ist, kann dann häufig helfen. „Einen solchen Entwicklungssprung in der Therapie einer Erkrankung erlebt man nur selten“, sagt Prof. Dr. Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Neuroradiologie an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg.

„Quasi von heute auf morgen ist es möglich, Patienten mit schwersten Schlaganfällen mit relativ guten Erfolgschancen zu behandeln. Wir können damit in dieser Patientengruppe die Chancen auf ein Leben ohne Behinderung auf bis zu 50 bis 70 Prozent erhöhen.“ Wie das Verfahren genau funktioniert und was Katheter-Eingriffe am Gehirn sonst noch leisten können, erklärt Prof. Bendszus in seinem Vortrag am Mittwoch, 17. Februar 2016. Der Vortrag beginnt um 19.00 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400, in Heidelberg.

Mehr als 200 Patienten profitierten 2015 von neuem Katheterverfahren

Insgesamt gilt: Je früher die Patienten behandelt werden, desto besser sind die Chancen auf ein späteres Leben ohne Behinderung. Bei Verschlüssen der großen Hirnarterien warten die Neurologen daher nicht die Wirkung der Thrombolyse ab, sondern starten möglichst schnell mit dem Katheter-Eingriff. „Mehrere Studien zu diesem Verfahren brachten so überzeugende Ergebnisse, dass wir diesen Eingriff bei bestimmten Arten von Schlaganfällen inzwischen routinemäßig vornehmen“, so der Neuroradiologe. Die Heidelberger Schlaganfallstation ist mit rund 700 Patienten pro Jahr die größte „Stroke Unit“ Europas. Rund 30 Prozent der Heidelberger Schlaganfall-Patienten profitieren von dem Katheter-Eingriff, Tendenz steigend. Erhielten 2015 rund 200 Patienten eine Thrombektomie, rechnet Prof. Bendszus für 2016 mit mehr als 300 Patienten, die für diesen Eingriff aus der Region ins Universitätsklinikum gebracht werden.

In seinem Vortrag wird Prof. Bendszus außerdem ein Katheterverfahren vorstellen, das Schlaganfälle in Folge einer Hirnblutung behandeln kann. Rund 15 Prozent aller Schlaganfälle gehen auf Hirnblutungen zurück. Nicht selten reißt ein Hirngefäß an Stellen mit geschwächter und daher bereits aufgeweiteter Gefäßwand, einem sogenannten Aneurysma. Diese Aneurysmen verursachen vorher in der Regel keine Beschwerden und werden daher oft nur zufällig bei CT- oder Kernspin-Untersuchungen des Kopfes entdeckt. „Das Risiko, dass dieses Aneurysma irgendwann einreißt, ist nicht unerheblich, daher ist meistens eine Behandlung zu empfehlen. Bei den meisten Patienten können wir die Schwachstelle heute endovaskulär, also mittels eines Katheter-Eingriffs verschließen“, so der Experte. Dazu füllen die Neuroradiologen die Aussackung mit hauchfeinen, spiralförmigen Platindrähten vollständig aus, so dass kein Blut mehr in das Aneurysma fließen kann. „Es werden ständig neue, verfeinerte Techniken entwickelt, um das Verfahren noch effektiver und sicherer zu machen“, sagt Prof. Bendszus.