Am Samstag, 7. Dezember 2013, sind Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und ihre Angehörigen wieder zu einem Informationstag der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg eingeladen. Von 10.00 – 14.00 Uhr geben renommierte MS-Experten einen Überblick über aktuelle Diagnose- und Therapiemöglichkeiten, klinische Studien sowie wissenschaftliche Fortschritte. Ein Schwerpunktthema ist Schwangerschaft bei MS: Welche Medikamente schaden dem Kind? Was tun bei ungeplanter Schwangerschaft? Was müssen werdende Mütter beachten? Zudem geht es um Diagnose und Behandlung der bei MS-Patienten häufigen Störungen der Harnblasenfunktion. Referenten und Mitglieder der Selbsthilfegruppe „Amsel e.V.“ stellen sich zwischen und nach den Vorträgen gerne den Fragen der Besucher. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Veranstaltung findet im Großen Hörsaal der Kopfklinik (Im Neuenheimer Feld 400) in Heidelberg statt. Für Rollstuhlfahrer sind barrierefrei erreichbare Plätze im vorderen Bereich des Hörsaals reserviert. Sie werden gebeten, der Ausschilderung dorthin zu folgen.

Neue entzündungshemmende Medikamente

Die Behandlungsmöglichkeiten der Autoimmunerkrankung haben sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. So wurden aktuell zwei neue Medikamente zugelassen, die beim Patiententag vorgestellt werden. Die beiden Wirkstoffe greifen an unterschiedlichen Stellen am Immunsystem an und unterdrücken Entzündungen in Gehirn und Rückenmark, indem sie die verantwortlichen Immunzellen hemmen oder ihre Zerstörung einleiten. Mit den neuen Medikamenten lassen sich Krankheitsschübe in der Regel besser unterdrücken als mit den gängigen Wirkstoffen, ihre Einnahme bringt aber gleichzeitig diverse Nebenwirkungen und Risiken mit sich. Die neuen Therapien kommen daher hauptsächlich bei Patienten mit sehr schwerem Verlauf, oder die auf die üblichen Medikamente nicht ansprechen, zum Einsatz.

Generell muss jede Therapie individuell auf Krankheitsverlauf, Phase der Erkrankung, Begleiterkrankungen und Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden. Eine geplante Schwangerschaft sollten Patientinnen möglichst rechtzeitig vorher mit ihrem behandelnden Neurologen besprechen, da häufig die Behandlung zum Schutz des Kindes umgestellt werden muss. Ist das Kind bereits unterwegs, gilt es schnell zu reagieren und gegebenenfalls in Absprache mit dem Arzt das derzeit verwendete Medikament absetzen. In der Regel ist dann das Risiko für das ungeborene Kind gering.

EPO kann Absterben von Nervenzellen verhindern

Darüber hinaus stellen die Referenten aktuelle Studienergebnisse vor. So zeigte das Hormon Erythropoetin, auch bekannt als Dopingmittel EPO, in einer Heidelberger Studie mit MS-Patienten einen schützenden Effekt auf bereits angegriffene Nervenzellen und -bahnen: Es kann bei einer Entzündung des Sehnervs – einem frühen Stadium der Multiplen Sklerose – anders als die gängige Cortisonbehandlung das Absterben von Nervenzellen verhindern. Nun wird das neue Behandlungskonzept in einer groß angelegten Patientenstudie der Universitätskliniken Heidelberg und Freiburg überprüft. Bestätigen sich die Ergebnisse, gäbe es erstmals einen Therapieansatz, der Nervengewebe vor den Entzündungsreaktionen bei MS schützt und dauerhafte Schäden abmildert.

Deutschlandweit leiden rund 120.00 Menschen an Multipler Sklerose. Bei dieser Autoimmunerkrankung greifen körpereigene Immunzellen gesundes Nervengewebe an und zerstören es schließlich. Häufig verursacht MS bereits in jungen Jahren bleibende Nervenschäden und Behinderungen. Medikamente, die das Immunsystem hemmen und die Entzündungsprozesse mildern, können die Krankheitsschübe zwar dämpfen, aber nicht heilen. Am Universitätsklinikum Heidelberg werden MS-Patienten in einer speziellen neuroimmunologischen Ambulanz – von der Deutschen Gesellschaft für Multiple Sklerose (DMSG) als „anerkanntes MS-Zentrum“ ausgewiesen – fächerübergreifend betreut.

Programm und Anfahrt:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/neurologie/neuroonkologie/130903NEU_RS_FL_MS-Patiententag_ID24892_2_.pdf