Kopfklinik Heidelberg

Die Kopfklinik im Neuenheimer Feld in Heidelberg. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Wann sind bestimmte Eingriffe an der Wirbelsäule sinnvoll, wovon ist abzuraten? Bei einer Informationsveranstaltung am Donnerstag, 30. Juni 2016, stellen die Experten der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg aktuelle Erkenntnisse aus dem Bereich der Wirbelsäulenchirurgie vor. Unter dem Motto „Versteifen? Prothesen? Weniger ist oft mehr!” beleuchten sie in Kurzvorträgen häufige Erkrankungen oder Verletzungen der Wirbelsäule wie Bandscheibenvorfälle, Brüche des zweiten Halswirbels sowie die im Alter häufige Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose). Beginn ist um 18.00 Uhr im großen Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400, in Heidelberg. Die interessierte Bevölkerung, Patienten, Angehörige und Ärzte sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Bandscheibenvorfälle können sehr schmerzhaft sein, dabei auch in Arme oder Beine ausstrahlen. Operieren oder nicht? Diese Frage stellt sich bei den meisten Betroffen gar nicht: „Bei über 90 Prozent der Patienten bessern sich die Beschwerden von selbst, meist helfen schmerzlindernde Medikamente und die Aufklärung über die Erkrankung durch ein ärztliches Gespräch, später auch Krankengymnastik”, sagt Dr. Daniel Hertle, der kommissarisch die Sektion Wirbelsäulenchirurgie leitet. „Wenn die Beschwerden allerdings länger als sechs Wochen anhalten, kann man über eine OP nachdenken, um eine raschere Besserung der Beschwerden zu erreichen”.

Verursacht der Vorfall Lähmungen oder Inkontinenz, ist eine sofortige Operation unumgänglich

Verursacht der Vorfall Lähmungen oder Inkontinenz, ist eine sofortige Operation dagegen unumgänglich. Bewährt hat sich dabei die mikrochirurgische Vorgehensweise. Dabei operieren die Neurochirurgen durch einen rund drei Zentimeter langen Schnitt mit winzigen Instrumenten unter dem Mikroskop. „Das Operieren unter dem Mikroskop macht den Eingriff sehr sicher, da feine Strukturen und Nerven gut zu erkennen sind”, so Hertle. Eine gute Alternative ist ein Eingriff mittels Endoskop – dieser eignet sich aufgrund der geringeren Übersicht aus Sicht der Heidelberger Experten allerdings nicht bei jedem Patienten.

Bandscheiben-Prothesen, die als Ersatz für die entfernte körpereigene Bandscheibe eingesetzt werden können, sieht Hertle kritisch: „Die Patienten erhoffen sich eine optimale neurochirurgische Versorgung durch einen hochwertigen Ersatz der Bandscheibe. Es ist aber nicht belegt, dass sie von einer solchen Prothese ausreichend profitieren, und auch die Haltbarkeit des Materials ist noch umstritten.” Bei einzelnen Patienten kann ihr Einsatz aber durchaus sinnvoll sein.

Um Nutzen und Nachteile einer Versteifung der Wirbelsäule geht es bei den Vorträgen zur Spinalkanalstenose und zu Brüchen des zweiten Halswirbels, die sich besonders ältere Menschen häufig bei Stürzen zuziehen. Während bei Letzteren die Versteifungsoperation eine sehr gute und sichere Möglichkeit bietet, Folgeschäden am Rückenmark zu verhindern, ist sie bei Verengungen des Rückenmarkkanals meistens vermeidbar: „Wenn die Lebensqualität unter dieser Verschleißerscheinung der Wirbelsäule stark leidet, z.B. heftige Schmerzen beim Laufen auftreten, ist eine Operation zu empfehlen. Meist reicht es allerdings aus, den Spinalkanal durch einen kleineren Eingriff zu entlasten, so dass es zu keinen weiteren Einschränkungen kommt”, erklärt Prof. Dr. Andreas Unterberg, Ärztlicher Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik.