Heidelberg Infoveranstaltung Chapel

Foto: BUND Heidelberg

Am Sonntag, 4. Oktober 2015, kamen in der Heidelberger US-Chapel Bürger der Südstadt zusammen, um über Gestaltungsideen zum neuen Park zu diskutieren, der rund um die Kommandantenvilla auf den Konversionsflächen in der Südstadt entstehen wird. Eingeladen hierzu hatten der BUND, der Stadtteilverein Südstadt, der Naturschutzbund (NABU) und die Bundesagentur für Immobilienangelegenheiten (BIMA).

Naturerfahrungsraum für Kinder

Hintergrund der Veranstaltung ist die Idee des BUND, im Rahmen einer naturnahen Gestaltung von Heidelberger Grünflächen im neuen Südstadtpark einen Naturerfahrungsraum für Kinder anzulegen. „Der Naturerfahrungsraum soll ein Teil des Parks sein, der selbstverständlich allen Bürgerinnen und Bürgern offensteht“, meinte Hermann Franken vom BUND, „er soll den Park nicht dominieren, aber als naturbelassener, etwas wilderer Bereich den neuen Park auch für Kinder interessant machen und ihnen spannende Erfahrungen mit Natur ermöglichen.“

Naturerfahrungsraum ruht auf drei Säulen

Vor dem offiziellen Veranstaltungsteil mit Kurzvorträgen und anschließender Podiumsdiskussion konnten sich Interessierte in der Chapel über vier Planvarianten des BUND zur Gestaltung von Park und Naturerfahrungsraum informieren und auf Plakaten eigene Anregungen einbringen. Nach einleitenden Worten von Arno Feuerstein (Stadtteilverein Südstadt) zum gesamten Konversionsgelände und zum Park stellte Hermann Franken die Ideen des BUND vor, die eine Vernetzung von Parkanlagen und Grünflächen in der ganzen Stadt zum Ziel hätten. Nicht nur die Quantität der Flächen, sondern vor allem ihre Qualität sei entscheidend. Er übergab das Wort an Dr. Hans-Joachim Schemel vom Arbeitskreis Naturerfahrungsräume, der als Hauptredner das Konzept erklärte. „Die Idee eines Naturerfahrungsraums ruht auf drei Säulen: Naturnähe der Flächen, freie Erlebbarkeit von Natur und Eigenständigkeit der Naturbegegnung“, erläuterte Schemel. Ein Naturerfahrungsraum sei ein innerstädtisches Spielareal für die Hauptzielgruppe 6 – 12-jährige Kinder, die dort ohne Aufsicht durch Erwachsene Natur und sich selbst in der Natur erfahren sollen.

Die meisten Besucher lobten und begrüßten die Initiative des BUND, doch es gab auch kritische Fragen: Warum können die Kinder nicht einfach im Wald oder auf andere Freiflächen in Heidelberg zum Spielen gehen? Was passiert, wenn Hundehalter den Naturerfahrungsraum als Hundetoilette benutzen? Und wie sieht es mit der Haftung aus? Das mit Hans-Joachim Schemel, Hermann Franken, Prof. Lissy Jäkel (Pädagogische Hochschule), Sylvia Schneider (NABU) und Arno Feuerstein besetzte Podium wusste alle Fragen, auch die zur Haftung, konstruktiv zu beantworten und mit guten Argumenten von der Idee zu überzeugen.

Kinder und Erwachsene haben nur noch ein sehr oberflächliches Wissen von Natur

Kinder, die sich in Wohnungsnähe eigenständig einen Aktionsraum erobern und Erfahrungen darin sammeln könnten, wüchsen zu selbstsicheren, achtsamen und sozial kompetenten Menschen heran. „Auf einen Baum zu klettern, ohne abzustürzen, lernt man nur, wenn es da auch Bäume gibt, auf die man klettern darf. Wer möchte, dass sich Kinder in ihren Aktionsräumen achtsam und sicher bewegen lernen, der muss ihnen die Möglichkeiten dazu geben“, so Dr. Schemel. „Im PH-Ökogarten machen wir die Erfahrung, dass viele Kinder und Erwachsene nur noch ein sehr oberflächliches Wissen von Natur haben. Heidelberg braucht dringend solche Spielangebote für Kinder wie das hier vorgestellte“, äußerte sich Lissy Jäkel.

Zusammen mit BUND und NABU wolle man sich dafür einsetzen, die Einrichtung eines Naturerfahrungsraums im Südstadtpark als IBA-Projekt zum Thema „Wissen schafft Stadt“ zu beantragen. „Erste Gespräche hierzu konnten am Rande der Veranstaltung bereits geführt werden”, so der BUND.