Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg wartet mit einem neuen Angebot für ältere Mitbürger auf und startet eine geriatrisch-onkologische Sprechstunde. Sie richtet sich vor allem an Krebspatienten über 75 Jahre. Eng an diese Sprechstunde geknüpft ist eine Studie, die dazu beitragen soll, die Diagnostik und Versorgung von Krebspatienten fortgeschrittenen Alters zu verbessern. Beide Aktivitäten gehen zurück auf das „Zentrum für Geriatrische Onkologie und Biologie in der Metropolregion Rhein-Neckar“ (“Zobel”), das im April 2013 an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg gegründet wurde. Sprecher dieser Initiative ist Prof. Dr. Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik an der Universitätsmedizin Mannheim (UMM).

Versorgungslücke schließen

„Zobel“ will gemeinsam mit dem NCT eine Versorgungslücke schließen, die eine Vielzahl von Patienten betrifft. Von den rund 2,4 Millionen Menschen, die in der Metropolregion Rhein-Neckar leben, sind etwa ein Viertel 60 Jahre und älter. In dieser Altersgruppe ist die Zahl der onkologischen Neuerkrankungen besonders hoch. Doch fehlt es noch an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den besonderen Eigenheiten von Tumoren in der alternden Bevölkerung und wie diese am besten zu behandeln sind. Dies trifft insbesondere bei Patienten zu, die gleichzeitig unter mehreren Erkrankungen leiden.

Es gilt insofern, die Versorgung geriatrisch-onkologischer Patienten in der Metropolregion strukturiert und wissenschaftlich begleitet zu verbessern. Daher gibt es im Zusammenhang mit der neuen Sprechstunde am NCT, die von Dr. Anne Katrin Berger und Prof. Dr. Henning Schulze-Bergkamen betreut wird, eine enge Kooperation mit der UMM, die außerdem eine Sprechstunde speziell für gastrointestinale Tumore bei älteren Patienten anbietet.

Therapieentscheide in den Fokus stellen

Die neue Sprechstunde am NCT wird vor allem eine Hilfe für ältere Krebspatienten und ihre Angehörigen sein. Geöffnet ist sie freitags von 8.00 – 10.00 Uhr im Patientenzentrum des NCT (Im Neuenheimer Feld 460).

Patienten werden gebeten, sich anzumelden unter:
Telefon 0 62 21/56 59 2 oder
Fax 0 62 21/56 47 57

Ebenso können Patienten mit gastrointestinalen Tumoren sich an das Interdisziplinäre Tumorzentrum in Mannheim (ITM), Sprechstunde mittwochs von 9.00 – 13.00 Uhr, wenden unter:
Telefon 06 21/3 83–42 19

Besonderes Augenmerk wollen die Mediziner in ihren Sprechstunden der Therapieentscheidung zukommen lassen. Prof. Schulze-Bergkamen: „Bei älteren Menschen mit einer Krebsdiagnose ist das nicht immer leicht. Häufig sind Vor- und Begleitkrankheiten zu berücksichtigen.“

„EpiREAL-Studie“

Die an die Sprechstunde angekoppelte Studie mit dem Titel „EpiREAL“ zielt darauf ab, Daten zur Diagnostik und Behandlung sowie zum Krankheitsverlauf von onkologisch erkrankten Patienten ab 75 Jahren in der Region Rhein-Neckar zu erfassen. Idealerweise könnten – nicht zuletzt im Rahmen der Sprechstunde – alle neu untersuchten Patienten eingeschlossen werden. Mit der Studie werden Daten ermittelt, mit denen es möglich ist, Aussagen zur tatsächlichen Versorgung von Krebspatienten höheren Alters zu treffen. Unter anderem untersuchen die Forscher unter der Leitung von Dr. Nicolai Härtel, Oberarzt an der II. Medizinischen Klinik der UMM, Krankheitsstadien und gewählte Therapien, den Therapieverlauf, die Qualität der Diagnostik sowie die Lebensqualität der Patienten und deren familiäres Umfeld.