Heidelberg Im Neuenheimer Feld

Foto: Rothe

„Der Heidelberger Gemeinderat und die vier Kläger gegen eine Straßenbahn im Neuenheimer Feld konnten aktuell keinen kurzfristigen Kompromiss zu der geplanten Straßenbahntrasse finden. Zwar hatte die Stadtverwaltung vorgeschlagen, sämtliche Änderungen in das Genehmigungsverfahren einzubringen, welche die Stadt und mehrere Kläger bereits im Dezember ausgearbeitet hatten. Die Kläger erwarten vor einer Rücknahme ihrer Klage jedoch rechtssichere Zusagen zur Entwicklung des Neuenheimer Feldes, welche der Gemeinderat zum heutigen Zeitpunkt nicht gewährleisten kann. Die Stadt geht deshalb davon aus, dass die vier Kläger ihre Klagen vor dem Verwaltungsgerichtshof weiter aufrechterhalten. Der Gemeinderat hatte sich am Mittwoch, 4. März 2015, in einer Sondersitzung mit den vier Klägern ausgetauscht. Er behandelte das Thema anschließend in öffentlicher Sitzung am Donnerstag, 5. März 2015“, teilt die Stadt Heidelberg mit.

„Die Diskussion hat verdeutlicht, dass es um weit mehr geht als um den Verlauf der Straßenbahntrasse“, erklärt Heidelbergs Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner. „Die wissenschaftlichen Institute erwarten eine Rechtssicherheit zu ihrer langfristigen Entwicklungsperspektive im Neuenheimer Feld. Das betrifft sowohl die gesamte Verkehrserschließung als auch die bauliche Entwicklung im Neuenheimer Feld. Die Wissenschaft möchte mit uns die Zukunftsperspektive für die kommenden Jahrzehnte diskutieren, inklusive Ausbau des Klausenpfads und fünfter Neckarquerung. Dafür habe ich volles Verständnis. Uns allen muss daran gelegen sein, dass sich die exzellente Wissenschaftslandschaft in Heidelberg weiterhin gut entwickeln kann. Davon profitieren wir alle gemeinsam.“

Die mehr als 50 Jahre alten Planungsgrundlagen sollen überarbeitet werden

Die Verwaltung arbeitet bereits gemeinsam mit Universitätsbauamt und Universität an einem sogenannten Masterplan Neuenheimer Feld. Damit sollen die mittlerweile mehr als 50 Jahre alten Planunungsgrundlagen für das Areal überarbeitet werden. Ein Beispiel: Allein in den vergangenen 12 Jahren nahm der Verkehr in das Neuenheimer Feld um ein Drittel zu. Immer häufiger stoßen die Anlieger im Neuenheimer Feld – die Universität genauso wie das Universitätsklinikum oder auch der Zoo – an Entwicklungsgrenzen. „Die Wissenschaft im Neuenheimer Feld ist der Entwicklungsmotor für Heidelberg und die ganze Region“, betont OB Dr. Würzner. „Diese Dichte weltweit renommierter Einrichtungen in fußläufiger Entfernung zueinander gibt es nur an wenigen Orten der Welt. Dieses Juwel müssen wir pflegen.“

Den Vorschlag des Oberbürgermeisters, die Arbeiten am Masterplan zu intensivieren, lehnte eine Mehrheit des Gemeinderates ab. „Ich bedaure diese Entscheidung“, reagiert OB Dr. Würzner. „Das ist ein schwieriges Signal an die Wissenschaft. Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass wir mit der Wissenschaft in einen Dialog über die langfristige Entwicklung des Neuenheimer Feldes treten. Die Wissenschaft braucht eine verlässliche Perspektive. Wir alle brauchen eine angemessene Lösung zur Verkehrserschließung. Dazu müssen wir alle Lösungsmöglichkeiten offen prüfen, auch den Ausbau des Klausenpfads oder eine fünfte Neckarquerung. Dazu sollten wir einen offenen Dialog mit allen Interessensgruppen führen.“

Geplante Straßenbahntrasse soll geändert werden

Der Gemeinderat beschloss, mehrere Änderungen in den Planungsprozess für die Straßenbahntrasse einzuspeisen: u.a. eine geänderte Trassenführung im Bereich Botanischer Garten, ein weiterer stromlos geführter Abschnitt, eine Geschwindigkeitsreduzierung und ein verbessertes Dämpfungssystem zwischen Kopfklinik und Berliner Straße. Der Gemeinderat beauftragte die RNV, diese Punkte in das Planfeststellungsverfahren beim Regierungspräsidium ein zu bringen. Er greift damit sämtliche Änderungswünsche auf, die Stadtspitze und die Kläger Universität, DKFZ und Max-Planck-Institut Ende 2014 im Detail ausgearbeitet hatten.

„Man muss es realistisch sehen“, erklärte OB Würzner. „Wir erfüllen damit zwar weitgehend alle Forderungen – der gesamte Prozess dauert aber voraussichtlich zu lang, um die Straßenbahn noch im aktuellen Förderprogramm des Bundes realisieren zu können, da, so wie es derzeit aussieht, die Universität und die weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen ihre Klagen nicht zurückziehen werden. Wir bringen die Änderungen dennoch ein. Wir können damit unsere Chance erhalten, wenn das Förderprogramm verlängert oder wenn neue aufgelegt werden.“