Das Straßenbahnausbauprogramm Mobilitätsnetz Heidelberg hat eine weitere wichtige Hürde genommen: Das baden-württembergische Ministerium für Verkehr und Infrastruktur hat das Maßnahmenpaket jetzt als „verkehrspolitisch sinnvolles Projekt“ an den Bund weitergereicht. „Ich freue mich, dass die Verwirklichung des Mobilitätsnetzes Heidelberg nun in greifbare Nähe gerückt ist“, sagte Baden-Württembergs Landesverkehrsminister Winfried Hermann. Das Projekt habe einen hohen Nutzen-Kosten-Faktor. Die endgültige Entscheidung über die Förderung müsse nun der Bund treffen. Heidelbergs Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner dankte dem Minister in einem Schreiben für diesen geleisteten Schritt. „Wir möchten im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten an drei Trassen beginnen“, betonte Dr. Würzner. „Diesem Ziel sind wir mit der Zusage des Landes ein großes Stück nähergekommen.“

Bund und Land tragen 80 Prozent der Kosten

Das gesamte Finanzierungsvolumen für alle Maßnahmen liegt bei rund 160 Millionen Euro. Nach aktuellem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) würden Bund und Land 80 Prozent der Kosten tragen. Als erstes sollen die Straßenbahntrasse ins Neuenheimer Feld sowie die Abschnitte Pfaffengrund / Eppelheimer Straße und Kurfürsten-Anlage Ost angegangen werden.

Beim Teilprojekt Straßenbahn ins Neuenheimer Feld reagierte OB Dr. Würzner auf Kritik der Universität an zwei Abschnitten der geplanten Uni-Linie ins Neuenheimer Feld. Die Universität hatte angekündigt, gegen den bereits erfolgten Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums Karlsruhe Klage erheben zu wollen.

„Wir haben die Forderungen der Universität detailliert mit den Festlegungen des Planfeststellungsbeschlusses abgeglichen“, erklärte OB Dr. Würzner. Das Ergebnis dieser Überprüfung: „Die genehmigten Pläne bieten nach unserer Einschätzung grundsätzlich die Möglichkeit, die Forderungen der Universität nahezu vollständig aufzugreifen. Wir bieten der Universität gerne weitere Gespräche hierzu an. Dabei muss klar sein, dass wir nur in dem Rahmen agieren können, der vom bestehenden Planfeststellungsbeschluss abgedeckt wird. Aber wie gesagt: Dieser Rahmen reicht nach unserer Überzeugung aus, um eine gute Lösung zu finden.“

Ein Hauptkritikpunkt der Universität: Streckenabschnitt Kopfklinik – Berliner Straße

So bezieht sich ein Hauptkritikpunkt der Universität auf den Streckenabschnitt von der Kopfklinik bis zur Berliner Straße. Hier fordert die Universität einen stromlosen Betrieb der Straßenbahn, so wie bereits in zwei anderen Streckenabschnitten. Nach der vorliegenden Genehmigung ist dort derzeit kein stromloser Betrieb vorgeschrieben, da sich dort derzeit keine entsprechenden hochempfindlichen Messgeräte befinden. Allerdings wird die Trasse so gebaut, dass die Bahnen auch in diesem Abschnitt auf stromlosen Betrieb umgeschaltet werden können, wenn die Universität dort in Zukunft hochempfindliche Geräte aufstellen möchte. Die entsprechenden Bahnen sind bereits angeschafft. Sie könnten im Bedarfsfall mit stärkeren Stromspeichern ausgestattet werden, um auch in diesem Bereich stromlos zu fahren.

Auch der zweite Kritikpunkt der Universität ist aus Sicht der Stadt im Rahmen der genehmigten Planungen lösbar: die Trassenführung im Bereich Botanischer Garten. „Es liegt absolut im Interesse der Stadt, den Botanischen Garten nicht durch die Trasse zu beschneiden“, stellt der OB klar. „Wir kommen hierbei gerne auf unseren Vorschlag zurück, die Trasse weiter südlich zu führen. Der Planfeststellungsbeschluss müsste hierfür in diesem Bereich geändert werden, mit dem Einverständnis der unmittelbar Betroffenen ist dies kurzfristig machbar.“ Die Lösung war bislang daran gescheitert, dass die finanziellen Forderungen der Universität für den Abriss und andere Kosten eines von der Klinik genutzten Gebäudes an der Stelle deutlich höher waren als die prognostizierten Schäden im Botanischen Garten. „Mit der Preisvorstellung, die die Universität zuletzt in der Presse genannt hat, sind wir jedoch sehr nahe an einer Lösung“, so der OB.

Lediglich eine Forderung ist nach Ansicht der Stadt durch den Planfeststellungsbeschluss nicht abgedeckt: die Forderung nach einer stärkeren Schwingungsdämpfung des Abschnitts Kopfklinik – Berliner Straße als bisher vorgesehen. Das von der Universität geforderte Masse-Feder-System ist nur dort notwendig, wo Gebäude wenige Meter neben den Gleisen stehen – so wie im Bereich eines bereits genehmigten Neubaus des DKFZ. Eine solche Situation sei im Bereich Kopfklinik – Berliner Straße auch auf lange Sicht vermeidbar. Zudem verkehren die Bahnen dort mit einer auf 30 km/h reduzierten Geschwindigkeit.