Heidelberg Virtuelle Anatomie

Heidelberger Medizinstudenten betrachten dreidimensionale Ansichten eines Schädels, die sie mit einer neuen Anatomie-Software selbst erstellt haben. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Eine neue Anatomie-Software verhilft Heidelberger Medizinstudierenden zu einem besseren Überblick im menschlichen Körper. Parallel zum traditionellen Präparieren können sie auf neuen Monitoren am Präparationstisch dreidimensionale Bilder aller Körperregionen betrachten und sich damit leichter orientieren. Das Besondere: Seit diesem Wintersemester erstellen die Erstsemester 3D-Ansichten mit Hilfe des Lernprogramms selbst. Grundlage sind schichtweise Röntgenaufnahmen der Leiche mit Hilfe der Computertomographie (CT). Studierende höherer Semester arbeiten schon bei der Aufnahme der CT-Bilder mit und bereiten so optimal die spätere Präparation vor. Mit rund 300.000 Euro hat die Klaus Tschira-Stiftung die Anatomie-Software gefördert.

Heidelberg Virtueller Seziertisch

Am „Virtuellen Seziertisch“ erhalten Heidelberger Medizinstudenten, parallel zum „realen“ Präparieren der Leichen, einen hervorragenden Überblick über die Lage von Skelett, Organen, Blutgefäßen oder Nervenfasern. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

„Unser Ziel ist es, von jeder Leiche aus dem makroskopischen Präparationskurs Aufnahmen im Computertomographen anzufertigen, sodass zu allen Präparaten individuelle Bilder vorliegen“, sagt Prof. Dr. Joachim Kirsch, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Anatomie und Zellbiologie der Universität Heidelberg. Außerdem soll die Anzahl der Bildschirme an den Präparationstischen von jetzt vier auf 22 erweitert werden. Dann profitieren alle Teilnehmer der „Virtuellen Anatomie“ direkt am Tisch von den dreidimensionalen Aufnahmen.

Computerprogramm verwandelt klinische Bilder in 3D-Ansichten

Die Studierenden begleiten den gesamten Prozess: Sie lernen wie ein CT gemacht wird, bearbeiten die Daten mit der neuen Software und schauen sich die dreidimensionalen Ansichten am Computer ihres Präparationstisches oder an einem der zwei tischgroßen horizontalen Bildschirme des Instituts an. Am Bildschirm lassen sich Organe, Blutgefäße und Knochen darstellen und Schicht für Schicht freilegen – das veranschaulicht die Anatomie schon vor der „realen“ Präparation. „Die Studierenden können beliebig die Perspektive wechseln und auch solche Strukturen dreidimensional betrachten, die schwer zu erhalten sind und im Präparierkurs weggeschnitten werden”, sagt Sara Doll, die als präparationstechnische Assistentin der Fachrichtung Medizin den Kurs betreut.

Das Seminar „Virtuelle Anatomie“ wurde im Wintersemester 2007/08 – ebenfalls gefördert durch die Klaus Tschira-Stiftung – bundesweit erstmalig durchgeführt und ist bei den Studierenden sehr beliebt. Es wird seitdem kontinuierlich ausgebaut und verbessert.