Heidelberg Gewaltambulanz

Vor dem Eingang zur Gewaltambulanz (v.l.): Dr. M. Prem, A.-K. Leukhardt (Staatsministerium), Prof. Dr. G. Skopp, Dr. M. Weissenberger, MdL C. Schneidewind-Hartnagel, Dipl.-Psych. S. German, Prof. Dr. K. Yen, MdL M. Lucha, MdL T. Poreski und T. Urban (Parlamentarische Beraterin). Foto: mh

Im Rahmen der Klausurtagung im Wahlkreis der Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Charlotte Schneidewind-Hartnagel, die auch Mitglied im Sozialausschuss des Landes ist, besuchte der Arbeitskreis (AK) Soziales der Grünen-Landtagsfraktion die erste Gewaltambulanz des Landes Baden-Württemberg an der Universitätsklinik Heidelberg. Die im November 2012 eröffnete Ambulanz hat nach den ersten Monaten bereits sehr starken Zuspruch verzeichnet, wie Prof. Dr. Kathrin Yen, Ärztliche Direktorin des Instituts für Rechtsmedizin und Verkehrsmedizin und Leiterin der Gewaltambulanz der Delegation mitteilte. Die Fallzahlen haben sich bereits mit 250 Fällen mehr als verdreifacht und die Tendenz ist stark ansteigend. Dies zeige sehr deutlich, dass es großen Bedarf für eine solche Institution gibt.

Die Ambulanz steht allen Menschen, die Gewalt erfahren haben, offen – auch wenn (noch) keine Anzeige erstattet werden soll. Eine frühzeitige Untersuchung und Spurendokumentation sollte vor allem nach häuslicher Gewalt, Strangulation und bei Verdacht auf Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Gewalt an älteren Menschen, Schlägereien und Angriffen mit gefährlichen Gegenständen erfolgen, so Prof. Yen. Die Erfahrung dabei zeige, dass eine rechtzeitige Erkennung von Gewalt, z.B. bei Kindern, und die daraus resultierenden Konsequenzen Leben retten kann und die Menschen in ein sicheres Umfeld gebracht werden können. Für die Aufklärung gewaltsamer Vorfälle ist eine frühzeitige Spurensicherung elementar, da Spuren von Gewalteinwirkung oftmals nur eine kurze Zeit erkennbar bleiben. Die Spurensicherung sei dabei für den Patienten kostenfrei und, wie Prof. Yen weiter berichtet, auch psychologisch für die Opfer von großer Bedeutung. Die Gewalt, die man ihnen angetan hat, wird bewiesen und das Opfer damit glaubwürdig.

Nach telefonischer Absprache unter Mobil 0152 5464 8393 ist die Ambulanz zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar bzw. sind Untersuchungen möglich, auch außerhalb des Instituts. Wie Yen berichtet, sei dies oft notwendig und trage ganz entscheidend zur Umfeldanalyse und Beweisaufnahme bei. Die Untersuchung ist kostenlos. Weitere Detailuntersuchungen, wie das Erstellen von Gutachten, DNA- und sonstigen Auswertungen sowie chemisch-toxikologische Analysen sind kostenpflichtig. Die Ärztinnen und Ärzte unterstehen selbstverständlich der Schweigepflicht.

Die Finanzierung läuft derzeit über die Uniklinik Heidelberg und ist bis Mitte 2014 gesichert. Prof. Dr. Yen hält eine Ausweitung des klinisch-forensischen Dienstleistungsangebots für angezeigt. Yen: „Wir möchten die Ambulanz erhalten und sind in alle Richtungen offen, was die Anschlussfinanzierung angeht.“ Prof. Yen sieht dabei keinen Unterschied zu anderen medizinischen Leistungen, daher wäre für sie eine Abrechnung über die Krankenkassen eine logische Schlussfolgerung und wünschenswert.

Die Frauenpolitische Sprecherin Charlotte Schneidewind-Hartnagel: „Wir brauchen dieses niedrigschwellige Angebot für von Gewalt betroffene Menschen auch über den Rhein-Neckar-Kreis hinaus. Ich werde mich als Sozialpolitikerin gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Sozialausschuss dafür einsetzen, dass es eine Lösung für die Anschlussfinanzierung geben kann. Diese wichtige Einrichtung muss mit einer sicheren Finanzierung den Opfern von Gewalt und Übergriffen weiter zur Verfügung stehen.”