Im August 2011 wurde das Herzkatheterlabor der GRN-Klinik Eberbach eröffnet. Die Bilanz nach etwas mehr als zwei Jahren: Mehr als 1.800 Eingriffe haben die drei Ärzte, unterstützt von speziell geschulten Schwestern und Pflegern, seither vorgenommen; in den vergangenen 12 Monaten mit 1.100 Untersuchungen und Behandlungen sogar rund 400 Eingriffe mehr als im ersten Jahr. „Diese Steigerung zeigt uns, wie wichtig das Angebot einer minimal-invasiven Herzdiagnostik und Gefäßtherapie für die wohnortnahe Versorgung der Patienten aus Eberbach und Umgebung ist“, erklärt Prof. Dr. Hugo A. Katus, Chefarzt für Kardiologie und Angiologie in der GRN-Klinik sowie Ärztlicher Direktor der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie des Universitätsklinikums Heidelberg. In diesem Jahr wurde das Diagnose- und Behandlungsspektrum in Eberbach um zwei Verfahren erweitert: Zum einen ist nun eine präzisere Beurteilung von Engstellen in den Herzkranzgefäßen, zum anderen die minimal-invasive Notfallbehandlung bei einem Verschluss der Beinarterien möglich.

Eberbach ist östlich von Heidelberg die einzige Klinik in der Metropolregion Rhein-Neckar, die in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Heidelberg die Diagnostik und Therapie im Herzkatheterlabor anbietet. Eine besonders wichtige Rolle spielt der Herzkatheter in der Soforthilfe nach Herzinfarkten, zur Abklärung unklarer Brustschmerzen oder Herzrhythmusstörungen sowie der Behandlung erkrankter Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit).

Eines der beiden 2013 neu eingeführten Verfahren ist eine zusätzliche Methode zur Diagnose verengter Herzkranzgefäße unter dem Fachbegriff „Messung der fraktionellen Flussreserve (FFR)“. Entdecken die Ärzte bei der Katheter-Untersuchung kritische Verengungen der Herzkranzgefäße, können sie mit einer speziellen Sonde den Blutdruck vor und hinter der Verengung messen. Daraus lässt sich errechnen, wie sehr die Engstelle des Gefäßes die Durchblutung des Herzmuskels beeinträchtigt. „Wir erkennen daran genau, ob ein Stent nötig ist oder ob wir den Eingriff guten Gewissens bis auf Weiteres verschieben können“, erklärt Prof. Dr. Grigorios Korosoglou, stellvertretender Chefarzt der Kardiologie und Angiologie in der GRN-Klinik in Eberbach sowie Oberarzt am Universitätsklinikum Heidelberg. „Auf diese Weise ersparen wir den Patienten unnötige Stentimplantationen, übersehen aber auch keine kritischen Engstellen, die auf dem Röntgenbild vielleicht einen harmloseren Eindruck gemacht haben.“ Bisher mussten sich Patienten bei ungewissen Befunden noch weiteren Untersuchungen unterziehen – mit der FFR-Messung reicht eine Herzkatheter-Untersuchung, ggfs. mit sofortiger Behandlung, in der Regel aus.

Ein ebenfalls in Eberbach neu eingeführtes Kathetersystem mit dem Namen „Rotarex“ kommt zum Einsatz, wenn große Blutgerinnsel zu einem plötzlichen Verschluss der Beinarterien führen. Dann ist höchste Eile geboten, denn sonst kann das Bein innerhalb von Stunden unterhalb des Verschlusses absterben. „So großen Gerinnseln, die sich häufig bei älteren Patienten mit Vorhofflimmern im Herzen bilden und dann lösen, kommt man mit einem normalen Katheter nicht bei“, so Prof. Korosoglou. Die Betroffenen mussten daher bisher möglichst schnell an das Universitätsklinikum Heidelberg verlegt werden. Mit Rotarex ist die Behandlung nun auch in Eberbach möglich: In der Spitze dieses speziellen Katheters befindet sich ein kleines, korkenzieher-ähnliches Spiralgewinde aus Metall, das sich in das Blutgerinnsel hineinfräst. Das abgetragene Material wird in den Katheter gesaugt und aus dem Körper transportiert. Nach ungefähr 20 Minuten ist der Thrombus aufgelöst, das Bein wird dann wieder normal durchblutet und das Gewebe mit Sauerstoff versorgt.