Grippeimpfung

Mit gutem Beispiel voran: Prof. Dr. Guido Adler, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, lässt sich von Marion Predikant, Leiterin des Betriebsärztlichen Dienstes, gegen Grippe impfen. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Wie schwer waren die letzten Grippewellen? Eine Auswertung am Universitätsklinikum Heidelberg zeigt: In der Grippesaison 2012/13 mussten mehr Patienten auf der Intensivstation behandelt werden als in der „Pandemie-Saison“ 2009/10. Gefährdet waren besonders ältere Menschen sowie Patienten mit chronischen Erkrankungen. Besonders Risikogruppen sollten sich jetzt impfen lassen.

In der Grippe-Saison 2012/13 erkrankten im Einzugsgebiet des Universitätsklinikums Heidelberg deutlich mehr Menschen als in den Jahren zuvor so schwer, dass sie sich stationär behandeln lassen mussten. „Das war die heftigste Grippe-Saison seit acht Jahren. Wir hatten rund doppelt so viele Patienten mit Influenza wie in den vorhergehenden Jahren“, sagt Prof. Dr. Hans-Georg Kräusslich, Geschäftsführender Direktor des Departments für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. 164 Erkrankte, darunter 38 Kinder, wurden stationär aufgenommen, 45 davon mussten intensivmedizinisch betreut werden. Zehn Patienten, die alle an schweren Vorerkrankungen litten, starben.

Doch soweit müsste es nicht kommen: „Leider unterschätzen zu viele Menschen, besonders aus den Risikogruppen, die Gefahr durch eine Infektion. Dabei gibt es mit der gut verträglichen Grippe-Impfung eine Möglichkeit, sich zuverlässig vor den aktuell zirkulierenden Influenza-Stämmen zu schützen“, betont Prof. Kräusslich. „Damit ließen sich viele Grippe-Erkrankungen bzw. schwere Krankheitssymptome vermeiden.“ Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt daher allen Menschen ab 60 Jahren sowie Personen mit Grunderkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauferkrankungen, Schwangeren, medizinischem Personal und allen Betreuern von Risikopatienten, sich jetzt impfen zu lassen. Der beste Zeitraum für die Impfung gegen Grippe ist Oktober und November. Eine Impfung kann aber auch später nachgeholt werden.

Infektionszahl im Bereich der normalen Schwankungsbreite

„Die Anzahl der Infektionen mit den Grippe-Erregern schwankt von Jahr zu Jahr und ist nicht vorhersagbar. Alle paar Jahre fällt die Grippe-Welle stärker aus – das haben wir im letzten Winter erlebt“, erklärt Prof. Dr. Paul Schnitzler, Virologe am Department für Infektiologie. „Trotzdem lag die Infektionsrate im Bereich der normalen Schwankungsbreite.“ Ein Grund für die vielen Infektionen könnte der sehr lange und kalte Winter gewesen sein, der jede Form der Atemwegserkrankung begünstigte: So wurden allein am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums rund 250 Kinder und Jugendliche mit schweren Infektionen durch das respiratorische Synzytialvirus, einen häufigen Erreger kindlicher Atemwegserkrankungen, stationär betreut – ebenfalls eine Verdopplung im Vergleich zu den Vorjahren.

„Auf die alljährliche Grippe-Welle sind wir sehr gut vorbereitet“, sagt Prof. Dr. Christoph Eisenbach, Intensivmediziner der Abteilung Gastroenterologie, Infektionskrankheiten und Vergiftungen an der Medizinischen Universitätsklinik. Am Uniklinikum Heidelberg werden vorrangig Patienten mit schwerem Verlauf wie einer Lungenentzündung behandelt, die z.B. beatmet werden müssen. Dazu kommen Patienten mit schwachem oder unterdrücktem Immunsystem, z.B. Säuglinge und Kleinkinder, sehr alte Menschen, Transplantierte, Krebskranke oder Patienten mit verschiedenen schweren Vorerkrankungen. Ihre Behandlung, die durchschnittlich drei Wochen dauert, erfordert große Erfahrung, eine interdisziplinäre Vernetzung und bei Bedarf entsprechende intensivmedizinische Kapazitäten.