Greenpeace Mannheim-Heidelberg sei von örtlichen Naturschützern über die weitgehende Zerstörung des einzigen Vorkommens des Roten Waldvögeleins (Cephalantherarubra) durch die Forstwirtschaft informiert worden. Beim Roten Waldvögelein handele es sich um eine hessenweit gefährdete und durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützte Orchideenart.

Greenpeace Rhein-Neckar

Foto: Greenpeace Rhein-Neckar

Der einzige Standort dieser Art im Viernheimer-Lampertheimer Wald soll im vergangenen Juni als Holzlagerplatz genutzt und dabei in großen Teilen zerstört worden sein. Anfragen an die Untere Naturschutzbehörde (UNB) über Maßnahmen zur Wiederherstellung und zukünftigen Schutz des Standorts seien unbeantwortet geblieben. Um auf die erneute Missachtung des Naturschutzes im Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Schutzgebiet aufmerksam zu machen, führte Greenpeace am 10. Juli 2014 eine öffentlichkeitswirksame Aktion durch.

Greenpeace: Erneut Natur ohne Schutz im Viernheimer-Lampertheimer Wald

„Der Vorfall zeigt, dass das europäische Naturschutzgebiet im Viernheimer-Lampertheimer Wald weiterhin nur auf dem Papier existiert“, empört sich Samira Lambertz, Wald-Ansprechpartnerin bei Greenpeace Mannheim-Heidelberg, über die erneute Gefährdung einer geschützten Art durch die Forstwirtschaft im Gebiet. Diesmal handele es sich um die aktuelle, weitgehende Zerstörung des regional einzigen Vorkommens des Roten Waldvögeleins durch die Anlage eines Holzlagerplatzes an seinem Standort. Dabei soll ein Teil der gefällten Buchen-Stämme mitten in der Vegetationszeit direkt auf dem Vorkommen der Orchidee gelagert worden sein. Aufnahmen vom Tatort würden belegen, dass die schönen Pflanzen zum Zeitpunkt der Ablagerung blühten und damit leicht zu erkennen waren. Die Schädigung erfolge dabei nicht nur durch die mechanische Zerstörung der überirdischen Pflanzenteile, auch Pflanzen, die nicht direkt durch die abgelegten Stämme beschädigt wurden, werden durch die Veränderung des Standorts (Bodenverdichtung, Nährstoffeintrag durch Sägespäne) negativ beeinflusst.

“Wir unterstellen dem verantwortlichen Forstamt hier keine böse Absicht, aber alleine die erneute Ignoranz und Zerstörung wertvoller Naturschätze im Viernheimer-Lampertheimer Wald ist erschreckend“, kommentiert Samira Lambertz den Vorgang. „Es wäre für das Forstamt hier ohne Probleme möglich gewesen, das Vorkommen zu schützen. Weshalb dies wieder nicht geschehen ist, bleibt sein Geheimnis“, führt sie weiter aus. Dabei habe es am 5. Februar zwischen dem Forstamt und der UNB „sehr konstruktive Gespräche“ über die Berücksichtigung von Naturschutzbelangen und eine „engere Kommunikation“ hinsichtlich des Artenschutzes gegeben. „Wenn so die „Ergebnisse“ dieser Gespräche aussehen, können das Forstamt und die Mitarbeiter der UNB die Zeit für sinnvollere Dinge nutzen“, äußert Samira Lambertz ihr Unverständnis über das Ausbleiben von Konsequenzen. „Dies ist nach dem Fällen der Heldbock-Eiche der zweite, ungeahndete Verstoß gegen europäisches und deutsches Naturschutzrecht. Wir erwarten von der UNB dass sie ihrer Aufgabe endlich nachkommt und in Zukunft sicherstellt, dass die Vorkommen seltener und gefährdeter Arten im Viernheimer-Lampertheimer Wald auch tatsächlich geschützt werden“, stellt sie abschließend fest.