Mit großer Enttäuschung hat die Greenpeace-Gruppe Mannheim – Heidelberg zur Kenntnis genommen, dass die Stadt Lampertheim die kürzlich beschlossene Forsteinrichtung unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Naturschutzverbände erstellt habe. „Mit der einseitig auf wirtschaftliche Ziele ausgerichteten Bewirtschaftung durch das Forstamt in Lampertheim wird der Lampertheimer Kommunalwald seine Funktion für den Naturschutz und die Erholung verlieren. Trotz zweier Schreiben von Greenpeace an die Stadtverwaltung und die Parteien ignoriert die Stadt beharrlich die ökologischen und ökonomischen Risiken der auf Douglasien-Kiefernforste ausgerichteten Pläne von Hessen-Forst“, so Greenpeace Mannheim – Heidelberg.

Douglasie-Kiefern-Stangenforste führen zu Artenverlust

Während man von Seiten des Forstamtes Lampertheim bei der Exkursion im Juni 2014 in Viernheim noch von einer „mosaikartigen Aufforstung“ gesprochen habe, würde in Lampertheim deutlich, was das Forstamt wirklich vorhabe: industrielle Forste ausgerechnet mit der nicht einheimischen Douglasie als Hauptbaumart. Dazu Samira Lambertz, Wald-Ansprechpartnerin bei Greenpeace: „Dies führt unweigerlich zu einem Artensterben im Lampertheimer Wald, da so gut wie keine Tierart auf der Douglasie lebt“.

„Die aus Nord-Amerika stammende Douglasie wuchs ebenfalls bis zur letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren in Europa, starb danach durch die natürliche Klimaerwärmung aber aus. Auch die Roteiche kommt natürlicherweise im Lampertheimer Wald nicht vor, sondern wurde aus primär forstökonomischen Gesichtspunkten angepflanzt“, teilt die Greenpeace-Gruppe Mannheim – Heidelberg mit.

Greenpeace: „Etikettenschwindel ‘Hochwald’“

„Doch nicht nur die Natur wird unter den Plänen des Forstamtes Lampertheim leiden, auch für die Lampertheimer Bürger wird der Wald einen Großteil seines Naherholungswerts einbüßen“, führt Lambertz weiter aus. Der heute noch oftmals naturnahe Wald würde in Reihe gepflanzten, gleichaltrigen Nadelbäumen weichen. Dabei würde nach Ansicht von Greenpeace mit dem forstökonomischen Begriff „Hochwald“ ein Bild erzeugt, das nichts mit der Realität zu tun habe. „Wer Hochwald hört, der stellt sich große, mächtige Bäume und naturnahe Wälder vor. Tatsächlich ist aber schon eine wenige Dezimeter hohe, in Reihe gepflanzte Kiefern-Anpflanzung forstökonomisch ‚Hochwald‘“, macht Lambertz klar.

Ein weiteres Problem, das sowohl vom Forstamt als auch von der Stadt Lampertheim ignoriert würde, sei die Mistel, die die Kiefern befalle und die Bäume zum Absterben bringe. So seien im Käfertaler Wald bereits fast 100 Prozent der alten Kiefern befallen. „Das Holz dieser abgestorbenen Bäume kann nur noch in der niedrigsten Preisklasse verkauft werden“, stellt Lambertz fest.

Daher fordert Greenpeace die Lampertheimer Kommunalpolitik erneut auf, die Zukunft des Kommunalwaldes in einem transparenten und öffentlichen Prozess unter Einbeziehung der Naturschutzverbände zu diskutieren. „Der Ausschluss externer Verbände führt nicht zu einer ‘freien und unabhängigen Entscheidung’, wie von der Stadt behauptet, sondern ist im Zeitalter der Bürgerbeteiligung lediglich ein nicht mehr zeitgemäßer Anachronismus“, schließt Lambertz.