Trauerband an alter Buche

Ein Trauerband wird an einer alten Buche befestigt. Foto: Martin Burster / Greenpeace Mannheim – Heidelberg

Mit schwarzen „Trauerbändern“ aus Krepppapier hat Greenpeace Mannheim – Heidelberg am 26. Juli 2015 die zum Fällen gekennzeichneten Buchen und Eichen in der Waldabteilung 128 nahe Lampertheim-Hüttenfeld markiert. Darunter befinden sich etliche alte, mächtige Bäume, die einen unersetzbaren Wert für das empfindliche Ökosystem im Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Schutzgebiet darstellen. „Am Wegrand aufgestapelte, bereits gefällte Buchen zeigen deutlich, dass hier akuter Handlungsbedarf besteht“, so die Umweltaktivisten von Greenpeace. Auch auf den ökologischen Verlust, den die Fällung dieser Bäume mit sich brachte, wurde mit dem Anbringen schwarzer Kreppbänder hingewiesen.

Lebensraum für Jahrzehnte verschwindet

„Jedem Naturschützer blutet das Herz, wenn er weiß, dass so mächtige, alte Bäume mitten in der Vegetationsperiode gefällt werden könnten“, sagt Samira Lambertz, Wald-Ansprechpartnerin bei Greenpeace Mannheim – Heidelberg. „Denn würde das Forstamt sie wenigstens hier im Schutzgebiet stehen lassen, böten sie noch Lebensraum für gefährdete und seltene Arten für viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte“, führt sie weiter aus. Buchen können von Natur aus bis zu 300 Jahre alt werden. In unseren Wirtschaftswäldern werden sie allerdings meist im Alter von 80 – 120 Jahren gefällt, da danach der wirtschaftliche Wert des Baumes abnimmt. „Doch erst ab einem Alter von ca. 100 Jahren ist eine Buche dick genug, damit z.B. der Specht seine Höhle darin bauen kann“, erklärt Lambertz weiter. Diese Höhlen bilden dann wieder den Lebensraum für weitere gefährdete Arten wie die ebenfalls im Viernheimer-Lampertheimer Wald heimische Bechsteinfledermaus.

Greenpeace-Demo

Foto: Martin Burster / Greenpeace Mannheim – Heidelberg

Beim Messen zweier zum Fällen markierter Buchen ermittelten die Greenpeace-Aktiven einen Stammumfang von ca. 1,90 Meter und zwei Meter. „Dies sind Bäume im besten Alter und ideale Spechtbäume“, empört sich Lambertz. „Wenigstens im FFH-Gebiet sollten solche Bäume dauerhaft für die Natur erhalten bleiben“. Doch nicht nur die Dicke eines Baumes sei für dessen Eignung als Lebensraum entscheidend, gerade Schadstellen wie morsche oder abgebrochene Äste würden erst ideale Bedingungen für viele Arten, insbesondere Käfer, schaffen. „Das Waldgebiet ist ein Schwerpunkt der Artenvielfalt holzbewohnender Käfer“, macht Lambertz klar. Mit bisher nachgewiesenen 800 Arten, darunter vielen seltenen, sogenannten Urwaldarten, ist es eines der artenreichsten Waldgebiete bundesweit. „Doch verschwinden die alten Bäume, verschwinden auch unweigerlich die seltenen Käfer“, macht sie auf die Gefahr durch den Einschlag der Bäume aufmerksam.

Nur ein Einschlagstopp verhindert zuverlässig weiteren Raubbau

„Da die staatlichen Naturschutzbehörden dem tatenlos zusehen und das Forstamt weiterhin jegliche Diskussion über eine dem Schutzstatus angepasste Waldbewirtschaftung verweigert, kann nur noch ein Einschlagstopp diese Bäume retten“, fordert Martin Burster, Wald-Aktivist bei Greenpeace. Seien diese nämlich erst einmal gefällt, dauere es sehr lange, bis entsprechende Bäume nachgewachsen sind. Erschwerend komme hinzu, dass aufgrund der vielen negativen Umwelteinflüsse und der Forstbewirtschaftung eine ausreichende Buchenverjüngung fehlen würde. „Wenn die Politik jetzt nicht handelt, wird es im FFH-Gebiet bald nichts mehr zu schützen geben“, schließt Burster.