In der Oktober-Ausgabe (10/2016) macht das Verbrauchermagazin Ökotest einen kritischen Test zur grüner Geldanlage und beschreibt ein grünes Risiko bei Nachhaltigen Fonds. Im Mittelpunkt der Kritik steht die Vergabe des neuen Nachhaltigkeitssiegel für grüne Fonds. Das Siegel wurde vom Forum nachhaltige Geldanlage (FNG) erstmals verliehen (ecoGuide berichtete darüber im Sommer 2016). Wir haben dazu den Nachhaltigen Vorsorgeberater Oliver Ginsberg, Gesellschafter von tetrateam (www.tetrateam.de) aus Berlin um eine Einschätzung gebeten.

„Unterschiede eher marginal“

Zum zweiten Mal werden Ende November vom Forum Nachhaltige Geldanlagen Gütesiegel für nachhaltige Investmentfonds vergeben. Das hat die Zeitschrift Ökotest in ihrer Oktober-Ausgabe zum Anlass genommen, die Ergebnisse des Vorjahres noch einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis war überaus negativ, obwohl die Differenzen zwischen den Ergebnissen von Ökotest und der Bewertung durch die vom Forum mit der Auditierung beauftragte französische Ratingagentur Novethic bei näherer Betrachtung eher marginal waren.

Kapitalanlagegesellschaften wie Triodos oder Swisscanto, die sich seit vielen Jahren in der Auflage konsistenter Nachhaltigkeitsfonds bewährt haben, konnten mit ihren Produkten hier wie da glänzen. Wo es im Mittelfeld Differenzen gibt, liegt es für gewöhnlich in der Gewichtung einzelner Kriterien oder daran, dass zwischen den Bewertungen fast ein ganzes Jahr liegt. Abwertungen wegen kritischer Aktientitel im Fondsportfolio wären vor einem Jahr möglicherweise noch anders ausgegangen.

Dass Ökotest der französischen Ratingagentur Intransparenz vorwirft, ist zwar bis zu einem gewissen Grad gerechtfertigt. Die Ergebnisse von Ökotest sind deshalb aber nicht unbedingt valider. Ökotest gibt beispielsweise Dialogen der Kapitalanlagegesellschaften mit den Geschäftsführungen der Unternehmen sehr starkes Gewicht, obwohl dieses Kriterium wachsweich ist. Was bei den „Dialogen“ herauskommt, lässt sich schwer belegen. Die Veröffentlichung konkreten Abstimmungsverhaltens in Aktionärsversammlungen wäre jedenfalls ein substanziellerer Beleg für das Engagement eines Fonds.

Den Acatis Fair Value Global bewertet Ökotest dagegen immerhin mit der zweitbesten Note, obwohl dieser bei den Ausschlusskriterien in vielen Bereichen Schwellenwerte festlegt, die aus Sicht kritischer Anleger mit 5 Prozent Umsatz allzu großzügig sind. Wer mit einem Finger auf andere zeigt …

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich kaum mehr Anbieter der kritischen Prüfung gestellt. Solange überzogene Kritik an guten Ansätzen vorherrscht, wird sich das wohl nicht ändern. Auf ein staatliches Nachhaltigkeits-Siegel für Fonds zu hoffen, ist allerdings müßig. Erfahrungsgemäß ist der Standard bei solchen Siegeln noch niedriger.

 

(Dieser Beitrag stammt von unserem ecoGuide-Redaktionsmitglied Guido Dahm. Der nachhaltige Finanzdienstleister beschäftigt sich seit 2001 mit dem Themenbereich „Grünes Geld“ und ist Inhaber des Ecofonds-Shop in der Pfalz, darüber hinaus auch Fachgruppenleiter der LEADER Region Rhein-Haardt im Bereich „Energie, Klimaschutz & zukunftsfähige Mobilität“).