Kardiologen des Universitätsklinikums Heidelberg erforschen einen neuen Therapieansatz bei Herzschwäche und sind dafür nun von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. mit dem Klaus-Georg und Sigrid Hengstberger Stipendium 2013 ausgezeichnet worden. Das Team um PD Dr. Dierk Thomas untersucht, ob die Gallensäure Lithocholsäure – als Prototyp für neue, maßgeschneiderte Wirkstoffe – das Fortschreiten einer Herzmuskelschwäche aufhalten kann. Zuvor hatten die Wissenschaftler entdeckt, dass die Säure im Reagenzglas den Selbstmord gestresster Herzmuskelzellen verhindert. Das Stipendium unterstützt das Projekt in den kommenden zwei Jahren mit insgesamt 50.000 Euro.

Rund 2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz), der häufigsten Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems. Medikamente können das Herz lange Zeit unterstützen und seine Funktion erhalten – es gibt allerdings noch keine Therapie, die das weitere Fortschreiten der Herzschwäche vollständig stoppt. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Dr. Thomas, Oberarzt der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, erforscht einen von zahlreichen Mechanismen, die zum allmählichen Funktionsverlust des Herzen führen: Ist das Herz z.B. durch andauernden Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen überlastet, begehen gestresste Herzmuskelzellen Selbstmord, die Pumpkraft lässt nach. „Wenn es uns gelingt, das Absterben der Herzzellen zu verhindern, könnte dieser neue Ansatz in Zukunft die Therapie der Herzmuskelschwäche unterstützen und verbessern“, hofft Thomas.

Lithocholsäure verhindert Absterben von Herzzellen

In Vorarbeiten identifizierte die Arbeitsgruppe ein körpereigenes Protein, das Enzym EphA2, das bei diesem Prozess eine wichtige Rolle spielt: Wird EphA2 mittels bestimmter Chemikalien aktiviert, setzt es in isolierten Herzzellen das Selbstmordprogramm in Gang. Zellen, in denen die EphA2-Aktiverung blockiert ist, sterben unter Einwirkung des Giftes deutlich seltener ab. „Wir gehen davon aus, dass EphA2 unter Stressbedingungen für das Herz aktiviert wird, den Selbstmord der Herzzellen auslöst und so zur Entstehung von Herzmuskelerkrankungen beiträgt“, so Thomas. Gaben die Wissenschaftler gleichzeitig die Gallensäure Lithocholsäure zu, wurde EphA2 trotz Stress für die Zellen nicht aktiviert, es kam nicht zum Zelltod.

Im Rahmen des geförderten Projekts wollen die Wissenschaftler nun den Signalweg um EphA2 in gesunden und geschwächten Herzen von Schweinen genauer untersuchen und prüfen, ob Lithocholsäure auch am lebenden Organismus das Absterben der Herzzellen verringern kann.