„Mit der vor kurzem verabschiedeten Naturschutzstrategie Baden-Württemberg haben wir den konzeptionellen, mit der Landschaftspflegerichtlinie den verwaltungstechnischen und mit einem gut ausgestatteten Naturschutzhaushalt den finanziellen Rahmen geschaffen für den Erhalt der Biodiversität im Land. Damit sind wir auch in Zukunft handlungsfähig und können uns bestens gerüstet den gegenwärtigen wie künftigen Herausforderungen stellen. Davon profitieren viele bedrohte Arten im Land – nicht zuletzt auch der Feldhamster“, erläuterte Naturschutzminister Alexander Bonde am 25. Juli 2013 die wesentlichen Elemente für eine erfolgreiche Natur- und Artenschutzarbeit in Baden-Württemberg anlässlich seines Besuchs der Feldhamsterzuchtstation im Zoo Heidelberg und von landwirtschaftlich genutzten Flächen mit Feldhamstervorkommen im Bösfeld bei Mannheim. Notwendig seien darüber hinaus engagierte und verlässliche Akteure und Landbewirtschafter sowie eine kompetente und handlungsfähige Verwaltung, so der Minister weiter.

Handeln dringend angezeigt – Arten vom Aussterben bedroht

Gerade am Beispiel des Feldhamsters werde deutlich, wie unverzichtbar der Einsatz für den Natur- und Artenschutz sei. „Der Feldhamster steht in Baden-Württemberg kurz vor dem Aussterben und kommt im Land nur noch an wenigen Stellen im Rhein-Neckar-Raum und im Main-Tauber-Kreis vor. Jede Art, die ausstirbt, ist ein unwiederbringlicher Verlust“, betonte Bonde. Der Naturschutzminister informierte sich im Rahmen seiner diesjährigen Sommertour auf Initiative des NABU über Aktivitäten zum Feldhamsterschutz der Naturschutzverwaltung, der Landwirtschaft, der Verbände und weiterer beteiligter Partner in Baden-Württemberg. Vertreterinnen und Vertreter dieser Akteure erläuterten aktuelle sowie geplante Maßnahmen zum Schutz der verbleibenden Feldhamstervorkommen im Land.

Der umfangreiche Werkzeugkasten für einen effektiven Feldhamsterschutz in Baden-Württemberg beinhaltet spezielle Artenschutzkonzeptionen der Naturschutzverwaltung, verschiedene Vertragsnaturschutzvarianten für eine feldhamsterfreundliche Bewirtschaftung von Ackerflächen im Rahmen der Landschaftspflegerichtlinie, die Zucht- und Auswilderungsmöglichkeiten des Zoos Heidelberg, diverse Möglichkeiten zur Vernetzung isolierter Feldhamsterpopulationen und nicht zuletzt eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit der Naturschutzverwaltung und der Naturschutzverbände. „Der Natur- und Artenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Instrumente sind vielfältig. Wir alle können einen Beitrag dazu leisten, die Situation für bedrohte Arten im Land zu verbessern“, so Bonde.

Naturverträgliche Landwirtschaft ist Schlüssel für Arten- und Naturschutz

„Mit dem erklärten Ziel, die anstehende gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union zu einer Ökologisierung zu nutzen, bieten sich viele Chancen auf den Äckern in Baden-Württemberg, auch für den Feldhamster. Jedoch müssen diese Chancen bei der konkreten Umsetzung auch genutzt werden! Beispielsweise mit einer erweiterten Fruchtfolge, mit Stoppelbrachen und mit einem konsequenten Verzicht auf chemisch-synthetischen Dünger auf ökologischen Vorrangflächen wäre eine gute Grundlage geschaffen, die dann durch gezielte Landschaftspflegeverträge mit den Landwirten vor Ort langfristig weitergeführt werden muss“, zeigte der Vorsitzende des NABU Baden-Württemberg, Dr. Andre Baumann, Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der Landwirtschaft beim Erhalt der Biodiversität auf.

„Eine naturverträgliche Landbewirtschaftung ist der Schlüssel für einen erfolgreichen Natur- und Artenschutz in Baden-Württemberg, gerade bei Arten, die auf oder im Umfeld des Ackers leben. Davon profitiert auch der Feldhamster“, unterstrich Minister Bonde. Er lobte die bereits mitwirkenden und ermutigte alle bislang noch nicht beteiligten Landwirte in Baden-Württemberg zu einer neuen Kooperation mit den Naturschutzbehörden zum Erhalt der herausragenden Lebensraum- und Artenvielfalt im Land.

Hintergrund-Infos

Naturschutzstrategie

Informationen zu der am 2. Juli 2013 verabschiedeten Naturschutzstrategie:
www.mlr.baden-wuerttemberg.de/Naturschutzstrategie_Baden_Wuerttemberg/123431.html

Feldhamster in Baden-Württemberg

Der Feldhamster (Anh. IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie – FFH-RL) steht in Baden-Württemberg kurz vor dem Aussterben und kommt in sehr geringer Individuenzahl nur noch an wenigen Stellen im Rhein-Neckar-Raum und im Main-Tauber-Kreis vor. Der aktuelle Erhaltungszustand der Population ist als ungünstig-schlecht („rot“) eingestuft. Die bisherigen Schutzbemühungen greifen nur teilweise, da nicht alle Ursachen für den derzeitigen Erhaltungszustand allein mit Vertragsnaturschutzmaßnahmen beseitigt werden können.

Informationen zum Erhaltungszustand der FFH-Arten in Baden-Württemberg:
www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/29527/download_ffh_erhaltungszust_bw.pdf?command=downloadContent&filename=download_ffh_erhaltungszust_bw.pdf

Einen Artensteckbrief zum Feldhamster:
www.naturschutz.landbw.de/servlet/is/67704/Artensteckbrief_Feldhamster.pdf?command=downloadContent&filename=Artensteckbrief_Feldhamster.pdf

Informationen zum Wiederansiedlungsprojekt Feldhamster des Zoos Heidelberg:
www.zoo-heidelberg.de/feldhamster