Büchler Markus

Prof. Dr. Markus W. Büchler, Geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Gleich operieren oder doch noch abwarten? Eine Studie unter Federführung der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg hat gezeigt: Patienten, die an einer akuten Gallenblasenentzündung leiden, sollten umgehend operiert werden; eine spätere Operation nach mehrwöchiger Behandlung mit Antibiotika hat keine Vorteile. Nach einer Operation innerhalb von 24 Stunden haben die Patienten weniger Komplikationen, sind früher wieder fit und können das Krankenhaus schneller verlassen. „Mit dieser Studie konnte eine langjährige Kontroverse endlich wissenschaftlich gelöst werden“, erklärt Prof. Dr. Markus W. Büchler, Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Die ACDC-Studie ist jetzt in der amerikanischen Fachzeitschrift „Annals of Surgery“ veröffentlicht worden.

Wichtigste Risikofaktoren für eine akute Entzündung der Gallenblase sind Gallensteine und ein höheres Lebensalter. Unbehandelt kann die Entzündung der Gallenblase (Cholecystitis) zur Ruptur und zu schweren Infektionen in den benachbarten Organen und im Bauchraum führen. Die Gallenblase wird heute in der Regel ohne großen Bauchschnitt minimal-invasiv mit der „Schlüsselloch-Chirurgie“ entfernt; unklar war bislang, wann der beste Zeitpunkt für diesen Eingriff ist.

Weniger Komplikationen und Beschwerden nach umgehender Operation

Die ACDC-Studie wurde an mehreren Zentren in Deutschland gemeinsam von Chirurgen und Internisten durchgeführt. Sie ist die erste klinische Studie, die beide Therapieansätze – frühe und verzögerte Operation – prospektiv bei zwei großen Gruppen, jeweils rund 300 Patienten, nach zufälliger Gruppenzuteilung untersucht hat. Die Therapie-Ergebnisse wurden 75 Tage nach der Operation analysiert: Bei einer frühzeitigen Operation gab es signifikant weniger Beschwerden und Komplikationen (11,8 Prozent) als bei dem zunächst konservativen Vorgehen (34,4 Prozent). Auch aus ökonomischen Gesichtspunkten spricht vieles für eine frühzeitige Entfernung der Gallenblase: Die unverzüglich operierten Patienten blieben im Durchschnitt nur 5,4 Tage in der Klinik im Gegensatz zu den später operierten Patienten, bei denen der Aufenthalt im Durchschnitt 10 Tage betrug. Dies schlug sich in den deutlich niedrigeren Krankenhauskosten nieder (2.919 Euro / 4.262 Euro). Das Fazit der Autoren der ACDC-Studie: „Aufgrund dieser Ergebnisse glauben wir, dass die sofortige minimal-invasive Entfernung der Gallenblase die Therapie der Wahl für die akute Cholezystitis bei allen operablen Patienten werden sollte.“