„Es war absehbar, dass Ecuador nicht dauerhaft auf ein Fünftel seiner Erdölvorkommen verzichtet. Wer wie Minister Niebel glaubt, mit einer einmaligen Zahlung von 34,5 Millionen Euro einen fairen Ausgleich für über sieben Milliarden Dollar zu leisten, handelt entweder politisch naiv oder grob fahrlässig“, stellt Martin Burster, Sprecher des Arbeitskreises Yasuní beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), fest. Der BUND hatte lange für die Umsetzung dieser wegweisenden Initiative gekämpft, die international viele prominente Fürsprecher hatte.

So wurden Minister Niebel und die deutsche Bundesregierung beispielsweise noch 2011 vom UN-Generalsekretär Ban-Ki Moon aufgefordert, ihre Blockadehaltung aufzugeben und die ursprüngliche deutsche Zusage zur Zusammenarbeit bei der ITT-Initiative einzuhalten. Auch innerhalb der deutschen Zivilgesellschaft wird die Yasuní-ITT-Initiative – neben dem BUND Heidelberg – von zahlreichen anderen Naturschutz- und Entwicklungshilfeinitiativen unterstützt. So hatte die Organisation „Rettet den Regenwald“ im November 2011 etwa 120.000 Unterschriften von Bürgern an Minister Niebel übergeben, die sich für einen Beitritt Deutschlands zur ITT-Initiative und die Einzahlung der ursprünglich zugesicherten 50 Millionen Euro in den UN-Treuhandsfonds aussprachen.

Minister Niebel konnte sich aber mit seiner „klaren politischen Linie“, ökonomische Interessen bei der Entwicklungszusammenarbeit über ökologische Interessen zu stellen, innerhalb der schwarz-gelben Bundesregierung durchsetzen, so der BUND. Zu der Kritik Niebels an der Entscheidung Ecuadors, aufgrund der mangelnden internationalen Unterstützung jetzt doch Öl im Yasuní-Nationalpark zu fördern, meint Martin Burster: „Der Zynismus von Dirk Niebel ist unerträglich. Erst zieht er Deutschlands feste Hilfszusage bei diesem wegweisenden Naturschutzprojekt zurück, um dann dem bitterarmen Land vorzuwerfen, dass es nicht dauerhaft auf eine seiner wichtigsten Einnahmequellen verzichtet“. Während bei der ITT-Initiative gleichzeitig die Auswirkungen einer möglichen Ölförderung berücksichtigt würden, hätte sich Niebel immer um eine Festlegung zu einer möglichen Ölförderung im Nationalpark gedrückt. Seine Formel von der „Verantwortung Ecuadors“ blende dabei vollständig die Bedeutung der Öleinnahmen für die Wirtschaft des Landes aus. Die von Ecuador anvisierten wirtschaftlichen Alternativen zur Ölausbeutung im Nationalpark hätten Zeit gebraucht, um sich zu entfalten. Mit dem „Nein“ Deutschlands zu ITT wurde laut BUND die Initiative international diskreditiert und musste folgerichtig ins Leere laufen.

Dabei sei das Ende der ITT-Initiative zum Schutz des Yasuní-Regenwaldes nicht nur für die Natur und indigenen Völker vor Ort ein Verlust, auch deutsches Geld zum Schutz des Regenwaldes würde buchstäblich „verbrannt“. Da Deutschland seine Zahlungen außerhalb des ITT-Fonds der UN geleistet habe, habe Deutschland im Gegensatz zu den Ländern, die bereits Zahlungen in den ITT-Fonds geleistet hätten, keinen Anspruch auf Rückzahlung der Mittel aufgrund der Erdölförderung. „Niebels Entwicklungspolitik ist nicht nur ökologisch ein Armutszeugnis, auch ökonomisch ist sie ein Desaster. Von der so oft zitierten ‘Effizienz’ ist bei Niebel nicht viel zu spüren, wenn auf der einen Seite mit Millionenbeträgen Regenwaldschutz betrieben werden soll, und gleichzeitig tatenlos eine ökologisch verheerende Erdölförderung toleriert wird“, fasst Martin Burster die derzeitige Situation zusammen.