Erdgasförderung mit Hilfe von Fracking ist umstritten, vor wenigen Tagen übergaben Umweltschützer an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks rund 660.000 Unterschriften gegen Fracking. Verbände und Initiativen fordern ein bundesweites gesetzliches Verbot dieser Fördermethode. „Die Bundesregierung will bald ihren Gesetzentwurf vorlegen: Gasförderung aus großen Tiefen, unter 3.000 Metern soll erlaubt werden, Probebohrungen zu Forschungszwecken auch oberhalb dieser Grenze“, teilt der BUND Bergstraße mit.

Anwohner von Frackinggebieten in den USA leiden unter Folgen der Bohrungen

Die Kreisgruppe Bergstraße im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. machte mit ihrer jüngsten Filmvorführung im Heppenheimer Saalbau-Kino auf die Risiken durch Fracking für Mensch und Umwelt aufmerksam: „Gezeigt wurde der mehrfach ausgezeichnete und oscar-nominierte Dokumentarfilm ‚Gasland’, der ausführlich schildert, wie Anwohner von Frackinggebieten in den USA unter den Folgen der Bohrungen leiden. Das Publikum im gut gefüllten Kinosaal reagierte betroffen auf die Schattenseiten des amerikanischen Erdgas-Booms wie verseuchtes Trinkwasser, gesundheitliche Beschwerden, kranke Tiere.

Beim Fracking, genauer ‚Hydraulic Fracturing’, wird ein Mix aus Wasser, Sand und Chemikalien durch Bohrlöcher mit Hochdruck 1.000 bis 5.000 Meter tief in den Untergrund gepresst. Die Flüssigkeit sprengt die Gesteinsschichten, durch die Risse entströmt das im Stein gebundene Gas. Das Chemikaliengemisch, dessen Zusammensetzung die Firmen oft geheim halten, kann ins Grundwasser gelangen, falls in den Ummantelungen der Bohrlöcher Lecks entstehen. Die Industrie betont, dass die Chemikalien nur 0,1 bis 0,2 Prozent der Frack-Flüssigkeit ausmachen. Da aber für die Bohrungen mehrere Millionen Liter Wasser eingesetzt werden, ist die absolute Menge der kritischen Substanzen beträchtlich“, so der BUND.

Gefahr für Boden, Grund- und Oberflächenwasser

„Selbst wenn die Industrie verspricht, ungiftige Frack-Flüssigkeiten zu entwickeln, ist die Gefahr für Boden, Grund- und Oberflächenwasser nicht gebannt“, erklärte Willy Welti vom BUND Birkenau. Denn eine große Gefahr gehe vom sogenannten Lagerstättenwasser aus (Flüssigkeit, die nach der Bohrung wieder aus dem Bohrloch austritt). In der Tiefe vermischten sich die Frack-Flüssigkeiten mit Formationswasser, das in den Gesteinsporen enthalten sei. Je nach geologischer Beschaffenheit sei Lagerstättenwasser mit Schwermetallen wie Quecksilber, giftigen Kohlenwasserstoffen und Arsen oder Radon belastet. Oft entsorge die Industrie das kontaminierte Lagerstättenwasser durch Verpressen im Untergrund. Willy Welti berichtete von Unfällen in Deutschland. In Niedersachsen, wo seit Jahren gefrackt werde, sei z.B. Benzol ins Grundwasser ausgetreten, weil für die Verpress-Anlage ungeeignete Rohre verwendet wurden. Das zeige, dass die Genehmigungsbehörden überfordert seien, denn sie hätten die Rohre nicht beanstandet. Die Steigerung des Ganzen: Lagerstättenwasser sei mitten in einem Wasserschutzgebiet verpresst worden.

Statt Fracking: Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben

In Deutschland könne durch Fracking gewonnenes Gas nur einen Bruchteil des Energiebedarfs decken. „Es ist der falsche Weg, viel Geld in eine umweltschädliche Technologie zu investieren, die lediglich einen kurzen Zeitraum überbrückt und den Ausstieg aus fossilen Energien verzögert”, betont Herwig Winter vom BUND Mörlenbach, „stattdessen sollte die Regierung den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben.“

Brigitte Rosenberger von Attac Bergstraße brachte Fracking mit den Freihandelsabkommen TTIP und CETA in Verbindung. „Falls Konzerne, wie in den Handelsabkommen vorgesehen, vor Schiedsgerichten gegen Staaten klagen können und millionenschwere Entschädigungen fordern dürfen, wäre es für Frackingfirmen einfach, die Gasförderung in Europa durchzusetzen.“

Weitere Informationen:
www.bund-bergstrasse.de > Umweltfilme