Holzgas

Die Besuchergruppe aus der Bioenergie-Region H-O-T zeigte sich begeistert von der Leistungsfähigkeit der Holzvergasungsanlage auf dem Geflügelhof Zapf in Gengenbach. Foto: Bioenergie-Region H-O-T

Alle Erwartungen übertroffen hat eine Exkursion der Bioenergie-Region Hohenlohe-Odenwald-Tauber (H-O-T) nach Gengenbach im Ortenaukreis. Rund 40 Teilnehmer überzeugten sich davon, wie Wärme und Elektrizität einfach auf Knopfdruck entsteht und aus hartem Holz flüchtiges Gas erzeugt wird. Im Mittelpunkt der Reise stand die Frage, wie der nachwachsende Rohstoff auf möglichst effiziente Weise energetisch genutzt werden kann. Die Antwort liefert eine Technik, die bereits Ende des 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert entwickelt wurde – die Holzvergasung. Heute erlebt diese Form der Energietechnik eine Renaissance.

Auf dem Geflügelhof Zapf in Gengenbach nutzt man die effiziente Methode der Energiegewinnung bereits seit zwei Jahren. Der firmeneigene Energiefachmann Günter Zapf erläuterte den Besuchern aus der Region H-O-T, wie mit heimischem Holz besonders ökologisch produziert wird. Die Anlage mit 3 x 45 kW der Firma Spanner RE² arbeitet hocheffizient, umweltfreundlich und vor allem wirtschaftlich. Das Besondere: Die wärmegeführten Vergaser richten sich nach dem Bedarf der Produktion an Wärmeenergie zum Heizen und zum Kühlen. So kann die benötigte Temperaturspannweite von 110 Grad bis minus 8 Grad problemlos abgedeckt werden. Als Energieträger wird Holz aus dem umliegenden Wald genutzt. Die Anlage deckt damit den gesamten Wärme- und Kältebedarf, von der Spätzle-Produktion über die Beheizung der Wohn- und Büroräume bis hin zur Hackschnitzeltrocknung. Der Geflügelhof ist damit in Sachen Energieversorgung komplett unabhängig.

Für viele der Exkursionsteilnehmer ist der entscheidende Vorteil der Holzvergasungsanlagen die flexible Einsetzbarkeit. Quasi auf Knopfdruck erzeugen die Anlagen Wärme und Strom genau dann, wenn z.B. Wind und Sonne zu wenig Energie liefern. Auch der wesentlich höhere Wirkungsgrad der Holzgastechnologie ist entscheidend. Der Brennstoff Biomasse wird deutlich effizienter genutzt. „Die Holzvergasung setzt damit neue Maßstäbe bei Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen“, zeigt sich Bioenergie-Botschafter Hermann Limbacher aus Mulfingen beeindruckt.

Bereits im März 2013 hatte die Bioenergie-Region H-O-T eine Informationsveranstaltung zum Thema Holzvergasung in Schöntal (Hohenlohekreis) angeboten, bei der über 150 Teilnehmer die Chance nutzten, um sich über die rund 150 Jahre alte Technik zu informieren. „Die Anlage in Gengenbach demonstriert die Praxistauglichkeit und die Machbarkeit von Holzvergaseranlagen sehr gut. Sie kann als Wegbereiter für ähnliche Anlagen auch in der Region H-O-T gesehen werden“, betont H-O-T- Geschäftsführer Sebastian Damm.

Durch die Vergasungstechnik kann deutlich mehr Energie aus dem Holz gewonnen werden als bei einer herkömmlichen Verbrennung. „Unsere regional vorhandenen Holzpotenziale können so besser genutzt werden“, unterstreicht Frank Künzig, Projektleiter der Energieagentur Main-Tauber-Kreis. Holzgasanlagen sind überall dort ideal, wo viel Wärme benötigt wird, wie z.B. in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben, aber auch im Hotel- und Gaststättengewerbe. „Die gekoppelte Gewinnung von Strom und Wärme aus Holz ist auf dem Vormarsch“, sind sich der frischgebackene Bioenergie-Botschafter Manfred Lauer aus Buchen und sein Amtskollege Horst Weber aus Ravenstein sicher.

In der Bioenergie-Region H-O-T will man die Nutzung von Biomasse zur Erzeugung von Wärmeenergie vorantreiben. Durch den Rohstoff Holz werden vor allem die regionalen Wirtschaftskreisläufe in der Land- und Forstwirtschaft gestärkt. Bislang existiert in der Region noch keine Holzvergasungsanlage. Diesem Thema möchten sich die Energieexperten daher in Zukunft verstärkt widmen, um die Potenziale der „Holz-Kraft“ besser zu nutzen.