Der Kreisverband Bergstraße des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) lädt am 8. September 2014 (18.00 Uhr) ins Rathaus von Biblis ein, zur Eröffnung seiner Wanderausstellung „Wasser für den Riedwald”. Guido Carl, Vorsitzender des BUND Bergstraße zeigt anhand der Bildtafeln, wie der Eichen- und Buchen-Mischwald im Rheintal unter den zu tiefen Grundwasserständen gelitten hat. Die Ausstellung macht den hohen ökologischen Wert von Laubwäldern erkennbar, die vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und den Menschen hohen Erholungs- und Erlebniswert bieten. Der BUND will erreichen, dass die Wurzeln der Laubbäume wieder Anschluss an das Grundwasser erhalten und stellt auf den Plakaten eine bereits geprüfte technische Lösung vor, die verhindert, dass in angrenzenden Orten die Keller vernässen.

Die Wanderausstellung begleitet zum einen die Arbeit des Runden Tischs Hessisches Ried, an dem auch der BUND teilnimmt. Zum anderen erklären die Tafeln, wieso der BUND eine Klage gegen den Wasserrechtsbescheid des Regierungspräsidiums Darmstadt führt. Die Plakate sind bis 29. September 2014 in Biblis zu sehen.

Hintergrund-Infos:

Die Buchen- und Eichenwälder im Ried dursten seit Jahrzehnten, hohe Wasserentnahmen haben sie massiv geschädigt. Seit Jahren bemüht sich der BUND um eine Lösung, die dem Riedwald mit seiner unersetzlichen Artenvielfalt wieder eine Basis zum Überleben bietet. “Dennoch hat das Regierungspräsidium Darmstadt 2013 für weitere 30 Jahre hohe Fördermengen für das Wasserwerk Jägersburg genehmigt”, so der BUND.

Der BUND will den ökologisch wertvollen Wald vor der Vernichtung retten und hat deshalb Verbandsklage gegen den Bescheid des Regierungspräsidiums eingelegt. Er setzt sich dafür ein, dass die Wurzeln der Laubbäume wieder Anschluss an das Grundwasser erhalten und stellt eine technische Lösung vor, die verhindert, dass in angrenzenden Orten die Keller vernässen. Die Machbarkeit dieser Lösung habe die Landesregierung bereits in einer umfangreichen Studie bestätigt. Um die praktische Umsetzung für ein derartiges Projekt zu ermöglichen, wurde 2012 von der damaligen hessischen Umweltministerin Puttrich ein “Runder Tisch zur Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried” einberufen, an dem alle betroffenen Interessengruppen (u.a. Mitglieder des BUND-Landesvorstands) beteiligt sind.

Die BUND Kreisverbände Bergstraße und Groß-Gerau haben zu dieser Thematik eine Ausstellung vorbereitet, die 2014 in verschiedenen Städten und Gemeinden der beiden Landkreise gezeigt wird.

Bedrohte FFH-Gebiete sind Lebensraum für seltene Arten

Das von der Zerstörung bedrohte FFH-Gebiet Jägersburger-Gernsheimer Wald hat eine Größe von rund 1.300 Hektar. Der Schutz erstreckt sich auf mehrere hundert Hektar spezieller Eichen- und Buchenwaldgesellschaften sowie auf die Fledermausarten „Bechsteinfledermaus“ und „Großes Mausohr“, die Amphibienarten “Gelbbauchunke“ und „Kammmolch“, die Käferarten „Großer Eichenbock“ und „Hirschkäfer“ und das Besenmoos „Dicranum viride“. Erhebliche Beeinträchtigungen befürchten die BUND-Kreisverbände Bergstraße und Groß-Gerau in weiteren Schutzgebieten, insbesondere im 1.779 Hektar großen Vogelschutzgebiet Jägersburger-Gernsheimer Wald, das die Fläche des gleichnamigen, aber etwas kleineren FFH-Gebietes überlagert.

“Mit dem 4. Bericht zur ‘Forsthydrologischen Beweissicherung Hessisches Ried’ wurde von der Forstverwaltung nachgewiesen, dass der hierdurch ausgelöste schleichende Auflösungsprozess des Waldes tatsächlich durch die Grundwasserentnahmen verursacht wird. In dem Bericht wird dokumentiert, dass die heutigen Wälder sich ohne eine Sanierung der Grundwassersituation auflösen werden. Eine Anhebung der Grundwasserstände im Riedwald ist deswegen dringend erforderlich”, teilt der BUND Bergstraße mit.

Gleichzeitig ist sich der BUND mit den betroffenen Hausbesitzern wie der Arbeitsgemeinschaft Grundwasser Hessisches Ried (AGHR) einig, dass ein erhöhter Grundwasserspiegel im Wald nicht zu zusätzlichen Feuchteschäden in Wohngebieten führen darf. Die Ausstellung zeigt daher auch, wie diese Schadensvermeidung funktioniert. Seit März 2014 wird die Ausstellung im Kreis Bergstraße präsentiert. Bisherige Stationen waren u.a. das Landratsamt in Heppenheim, Einhausen (katholische Kirche), Lorsch (katholisches Pfarrheim) und Bürstadt (Rathaus).