Der BUND-Kreisverband Bergstraße und der Regionalbauernverband (RBV) Starkenburg sind sich in ihrer Einschätzung einig: Der zunehmenden Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Nutzflächen für Verkehrs-, Gewerbe- und Wohnsiedlungsflächen muss ein rasches Ende gesetzt werden. RBV-Vorsitzender Dr. Willi Billau: „In den letzten 20 Jahren hat die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland um 818.000 ha zugenommen. Das ist mehr als die gesamte Landwirtschaftsfläche in Hessen, die nur 770.000 ha umfasst.”

BUND-Kreisvorstandssprecher Herwig Winter: „Eine Gesellschaft, die ihren Fortschritt danach bemisst, dass sie Tag für Tag eine Fläche, die der Größe von 100 Fußballplätzen entspricht, unter Beton und Asphalt bringt, hat keine Zukunft.” BUND und RBV appellieren deshalb an die verantwortlichen Politiker in den Landkreisen, Städten und Kommunen, den exzessiven Flächenverbrauch der vergangenen Jahrzehnte nicht fortzusetzen, um die Zukunft der in der Region lebenden Menschen nicht zu gefährden. Durch intelligente Planung müsse sichergestellt werden, dass eine weitere wirtschaftliche Entwicklung und notwendig werdender Wohnungsbau ohne ständige Bodenneuversiegelung auskommt. Statt immer neuer Supermärkte und gewerblicher Hallenbauten auf der grünen Wiese sollten gewerbliche Brachflächen und Baulücken in Anspruch genommen werden.

EU nutze derzeit außerhalb Europas rund 640 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche

Zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Flächen gehöre auch, dass Parkhäuser statt großflächiger Parkplätze für Supermärkte und bei Gewerbehallen eine mehrgeschossige Bauweise vorgeschrieben werden. Dr. Willi Billau: „Wir steuern sonst auf eine ökologische Katastrophe zu. Für jeden Hektar, der hier verschwindet, braucht es mindestens zwei Hektar brasilianischen Regenwald, der gerodet werden muss, weil die Böden dort nicht so fruchtbar sind wie unsere.” Die EU nutze derzeit außerhalb Europas bereits rund 640 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Das ist eineinhalb Mal so viel wie die Landesfläche aller 28 Mitgliedsstaaten zusammen. Herwig Winter: „Niemand bei uns darf sich wundern oder gar beschweren, wenn in Zukunft vermehrt auch Menschen aus Gebieten, in denen nicht mehr genügend Nahrungsmittel für den eigenen Bedarf angebaut werden, sich als Flüchtlinge auf den Weg nach Europa machen.”

Bei Verkehrsinfrastrukturplanungen fordern BUND und RBV, den Varianten den Vorzug zu geben, die mit dem geringsten Flächenverbrauch auskommen. So würden z.B. bei den geplanten Umgehungsstraßen für Rosengarten und Mörlenbach bei Durchführung der derzeit vorliegenden Planungen fast 10 ha beste Ackerböden dauerhaft versiegelt und bekämen dadurch den Status völliger Unfruchtbarkeit vergleichbar Wüstenböden.

Die Gesamtfläche, die durch Straßendammschüttungen, Einschnitte und Auffüllungen der Landwirtschaft für den Anbau von Nahrungsmitteln entzogen würde, läge bei rund 40 ha. Von einem verantwortungsbewussten Umgang mit Böden könne also in diesem Zusammenhang nicht die Rede sein. Herwig Winter: „Wir fordern von den für diese beiden Umgehungsstraßen verantwortlichen Planern und Politikern eine Abkehr von den bisherigen Planungen zugunsten der Varianten, die den Flächenverbrauch minimieren. Im Fall der Umgehung von Mörlenbach ist das eine der Tunnelvarianten, im Fall der Umgehung von Rosengarten bietet sich u.a. die Möglichkeit einer Verdolungsvariante an.”

„Mehr als 90 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion sind direkt vom Boden abhängig“

Die Vereinten Nationen hatten das Jahr 2015 als das „Internationale Jahr des Bodens“ proklamiert und damit einen wichtigen Impuls gegeben, um auf die Bedeutung der Böden und die Notwendigkeit ihres Schutzes aufmerksam zu machen. „Mehr als 90 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion sind direkt vom Boden abhängig. Der Boden speichert Kohlenstoff, Nährmineralien und Wasser und hat auch für die Artenvielfalt große Bedeutung. Boden ist eine bedrohte Ressource, die nur in sehr geringem Umfang nachgebildet wird. Dagegen gehen jedes Jahr weltweit etwa sechs Millionen Hektar an fruchtbarem Boden verloren. Als Ursachen nennen die Vereinten Nationen falsche Nutzung, Verunreinigungen mit Schadstoffen und Überbauung. Gleichzeitig steigt der Bedarf an fruchtbarem Boden, denn das Bevölkerungswachstum führt zu einer erhöhten Nachfrage nach Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen. Nur ausreichend gesunde Böden können auf Dauer die Ernährung der Weltbevölkerung sichern“, heißt es von Seiten der beiden Verbände.