Waldbegehung Bensheim

Foto: Stadt Bensheim

42 Prozent der Fläche in Hessen ist von Wald bedeckt. Damit gehört Hessen zusammen mit Rheinland-Pfalz zu den waldreichsten Bundesländern. In Bensheim sind insgesamt 1.522 Hektar von Wald bedeckt (= 26 Prozent der Gemarkungsfläche). Davon sind mit 934 Hektar über 60 Prozent in städtischem Besitz. Nach dem Hessischen Forstgesetz ist der Waldbesitzer verpflichtet, seinen Wald „zum Wohle der Allgemeinheit nach forstlichen und landespflegerischen Grundsätzen nachhaltig, fachkundig und planmäßig zu bewirtschaften“. Aus gutem Grund, denn der Wald hat neben seinem wirtschaftlichen Nutzen auch eine Schutzfunktion für Boden, Wasser und Klima und eine soziale Funktion als Erholungsraum für die Bevölkerung. Diese verschiedenen Funktionen im Gleichgewicht zu halten, ist das Ziel einer nachhaltigen Forstwirtschaft und auch das Bestreben der Stadt Bensheim als Waldbesitzerin.

Waldbegehung im Märkerwald

Die Stadt kommt diesen Pflichten nach, indem sie sich für die Pflege des Stadtwaldes der Fachleute des Landesbetriebes Hessen-Forst bedient, der durch die Forstämter bzw. Revierförstereien vertreten wird. Für Bensheim ist das Forstamt Lampertheim mit seinem Leiter Ralf Schepp und Revierförster Dirk Ruis-Eckhardt zuständig. Beide informierten den Magistrat jetzt im Rahmen einer Waldbegehung im Märkerwald über Zustand, Maßnahmen, Planungen und Besonderheiten im Stadtwald. Hintergrund ist die vom Magistrat beschlossene Forsteinrichtung – eine Art Betriebsplanung des Stadtwaldes, die alle zehn Jahre fortgeschrieben wird.

In den vergangenen Monaten wurden von Mitarbeitern des Baudezernates gemeinsam mit den Förstern von Hessen-Forst die Ziele der Bewirtschaftung des Stadtwaldes für das nächste Jahrzehnt formuliert. Neben dem Ziel eines arten- und strukturreichen Mischwaldes, sollen die Funktionen des Waldes als Schutz-, Erholungs- und Naturraum, seine ökologische Bedeutung und die Anforderungen einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Nutzung „unter einen Hut gebracht werden“. Die dafür notwendigen Daten liefert der Forsteinrichter der Landesforstverwaltung auf der Basis von Inventur, Rückblick und Zukunftsplanung.

Stadtwald erbrachte 2005 – 2014 im Schnitt jährlich Gewinn von 56.000 Euro

Nicht einplanen lassen sich Unwetterereignisse oder Preiseinbrüche auf dem Holzmarkt. Vor diesem Hintergrund sind Schwankungen bei den Betriebsergebnissen mit Überschüssen zwischen 364 und 113.000 Euro wie in den vergangenen zehn Jahren durchaus „normal“. Im Schnitt erbrachte der Stadtwald zwischen 2005 und 2014 jährlich einen Gewinn von 56.000 Euro. Dieses Ergebnis wird auch in der kommenden Dekade erwartet, das vor allem auf die „gute bis sehr gute Wuchsleistung“ des Waldes zurückzuführen ist.

72 Prozent der Bestände sind Buchen

Der Bensheimer Stadtwald ist vorratsreich und bietet qualitativ hochwertiges Holz. Allerdings ist der Betrieb stark von einer Baumart geprägt: 72 Prozent der Bestände sind Buchen. Im Interesse eines gut strukturierten Mischwaldes soll daher mittel- und langfristig der Anteil von Edellaub- und Nadelbaumarten erhöht werden. Das gilt insbesondere für die Douglasie, die zwar nicht originär heimisch ist, Trockenperioden aber besser verträgt als die Fichte und deren Rolle sukzessiv übernehmen könnte. In der vergangenen Dekade konnte ein Hiebsatz von 7,3 Erntefestmetern pro Hektar und Jahr realisiert werden. Insgesamt wurden in den vergangenen zehn Jahren 93 Prozent des möglichen Hiebsatzes realisiert. Hier machte Forstamtsleiter Schepp auch deutlich, dass der Einschlag nur vorgenommen wird, wenn es für das Holz auch einen Kunden gibt.

Wildschäden

Ökonomische Einbußen entstehen aber auch durch Wildschäden, die außerdem zu einer starken Entmischung des Waldes führen. Für die Waldverjüngung können z.B. Reh und Hirsch zu einem echten Problem werden, denn sie bevorzugen gerade die jungen Bäume. Deutlich erkennbar wird das in dem sogenannten Weisergatter. In dieser eingezäunten Vegetationsfläche können junge Bäume ungestört und ohne Verbiss wachsen und der Unterschied zu dem ungeschützten Bereich ist unverkennbar. Für Revierförster Ruis-Eckardt wäre das Problem durch intensivere Bejagung lösbar. „Der Forst braucht die Jäger, damit der Wald artenreich und ohne große Aufwendungen wachsen kann“, so der Revierförster.

Hohe Anzahl wertvoller Biotope und Biotopschutzflächen

Bemerkenswert ist beim Bensheimer Stadtwald die hohe Anzahl von wertvollen Biotopen und Biotopschutzflächen. Etwa 9,3 Hektar sind als sogenannte Stilllegungsfläche von einer Nutzung komplett ausgenommen, für weitere 10 Hektar gilt ein fakultativer Nutzungsverzicht, d.h. hier sind keine Maßnahmen im Rahmen der Bewirtschaftung geplant. Von Bedeutung sind ebenso die meist sehr alten, wertvollen und den Charakter des Waldes prägenden Habitatbäume, die mit ihren Baumhöhlen wichtigen Lebensraum für andere Lebewesen bieten. Davon sind im Bensheimer Stadtwald etwa drei Stück pro Hektar zu finden.