Bensheim IC

Foto: PVH Heidelberg

Die geplante neue Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim gilt als eines der wichtigsten Schienen-Infrastrukturprojekte der nächsten Jahre. Über die genaue Streckenführung hat der Bund bislang noch nicht entschieden. Der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir hat jetzt die gemeinsame Position der Region zur geplanten Bahntrasse an das zuständige Bundesverkehrsministerium offiziell übermittelt. Das Positionspapier enthält mehrere Prüfbitten, mit denen mögliche Alternativen zu den Vorschlägen der Bundesgutachter aufgezeigt werden. „Die Region spricht mit einer Stimme“, sagte Al-Wazir in Wiesbaden. „Das gibt unserer Position deutlich mehr Gewicht. Der Bund sieht, dass trotz der unterschiedlichen Blickwinkel der Städte und Gemeinden, die jedes Neubauprojekt zwangsläufig mit sich bringt, die Region insgesamt hinter dem Vorhaben steht und es schnellstmöglich einfordert.“

Tagsüber Fernverkehr – nachts Güter

Al-Wazir kündigte an, dass die Menschen in der Region auch bei den weiteren Verfahrensschritten intensiv mit eingebunden werden. „Großprojekte dieser Dimension erfordern Transparenz und Beteiligung der Menschen“, so der Minister. Über die Neubaustrecke Rhein / Main – Rhein / Neckar sollen tagsüber ICE-Verbindungen und nachts der Güterverkehr geführt werden. Durch die geplante Verlagerung der Fernverkehrsverbindungen von den Bestandsstrecken auf die Neubaustrecke wird zudem auf den bisherigen Strecken Platz für dringend nötige zusätzliche Nahverkehrsangebote geschaffen. Neben der geplanten Verlagerung der Fernverkehrsverbindungen von der Riedbahn auf die Neubaustrecke bittet die Region das Bundesverkehrsministerium auch um die Prüfung einer Verlagerung der Fernverkehrsverbindungen von der Main-Neckar-Bahn auf die Neubaustrecke.

Durch diesen zusätzlichen Schritt könnte u.a. der geplante Hessen-Express (Wiesbaden – Flughafen-Fernbahnhof – Darmstadt) bis in den Kreis Bergstraße fortgeführt und damit sowohl an den Flughafen als auch an den Hauptbahnhof angebunden werden. Die zur Verfügung stehende Trassenkapazität würde die Möglichkeit für einen Regionalexpress alle halbe Stunde eröffnen. „Das zeigt den enormen Nutzen dieser Neubaustrecke“, so Minister Al-Wazir. „Wir könnten Darmstadt an das neue Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn anbinden, auf den bestehenden Strecken Platz für eine bessere Taktung des Nahverkehrs schaffen und zugleich den Güterverkehr nachts von den Bestandsstrecken herunternehmen und damit die Menschen entlasten. Mehr kann man mit einem einzelnen Projekt eigentlich nicht erreichen.“

Modernster Lärmschutz gefordert

Der Darmstädter Hauptbahnhof würde von der Neubaustrecke über eine Querspange auf Darmstädter Stadtgebiet mit der Main-Neckar-Bahn verbunden. Auf Vorschlag der Region soll die Prüfung der Möglichkeit der zusätzlichen Anbindung der Strecke Mainz – Bischofsheim – Darmstadt an die Neubaustrecke über eine enge, nördlich von Weiterstadt geführte Kurve oder eine Tunnellösung erfolgen. Al-Wazir: „Wir werden dabei dem Schutz der Bürger vor dem Lärm des Schienengüterverkehrs ein hohes Gewicht beimessen und den Bund drängen, hier die modernsten und effektivsten Lärmschutzmaßnahmen umzusetzen. Es besteht die Möglichkeit, die Belastungen durch die jetzigen Bestandsstrecken deutlich zu reduzieren.“

Bund prüft Vorschläge bis September

Nach aktuellem Zeitplan beabsichtigt das Bundesverkehrsministerium die Vorschläge aus Hessen bis zum September zu bewerten und anschließend die Ergebnisse zur Neubaustrecke Rhein / Main – Rhein / Neckar zu veröffentlichen. Von den Ergebnissen hängt ab, mit welcher Priorität der Bund das Projekt in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufnimmt. Der Bundesverkehrswegeplan 2015 wird die großen Infrastrukturprojekte auflisten, die der Bund als wichtig und dringlich einstuft. Er soll Ende 2015 in einem ersten Entwurfsstadium vorliegen. Dann können sich alle Interessierten online oder schriftlich zu den Einzelvorhaben äußern.