Anlässlich der Veröffentlichung des Lageberichts Kommunales Abwasser 2013 hat der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller am 22. Juli 2013 in Stuttgart darauf hingewiesen, dass Ende 2012 in Baden-Württemberg rund 95 Prozent der organischen Gesamtverschmutzung, 78 Prozent Stickstoff und 90 Prozent Phosphor aus dem Abwasser abgebaut wurden. „Die 959 kommunalen Kläranlagen weisen mittlerweile eine hohe Reinigungsleistung auf“, betonte der Minister.

„Um den von der Wasserrahmenrichtlinie geforderten ‘guten Zustand’ der Gewässer überall im Land zu erreichen, müssen ausgewählte Kläranlagen ihre Reinigungsleistung jedoch noch weiter erhöhen“, erklärte Umweltminister Untersteller weiter. Auch die Behandlung von Regenwasser müsse noch weiter verbessert werden. „Maßnahmen von Städten und Gemeinden, die die Abwasserbeseitigung weiter verbessern, fördert die Landesregierung daher dieses Jahr mit rund 45 Millionen Euro.“

Eine wichtige Rolle in der Gewässerschutzpolitik des Landes spielt die Spurenstoffkonzeption. Hiernach sollen ausgesuchte Kläranlagen an wasserwirtschaftlich sensiblen Standorten mit einer speziellen Stufe zur Elimination insbesondere von Arzneimittelrückständen und Haushalts-Chemikalien ausgebaut werden. „In Baden-Württemberg sind schon sieben Kläranlagen entsprechend nachgerüstet worden; weitere sieben Anlagen sind in der Planung oder im Bau“, sagte Untersteller. Das Land unterstütze die Städte und Gemeinden hierbei, indem es mindestens 20 Prozent der Kosten übernehme.

Folgende Kläranlagen besitzen bereits eine sogenannte „vierte Reinigungsstufe“ zur Spurenstoffelimination:

    • Böblingen-Sindelfingen
    • Mannheim
    • Kressbronn-Langenargen
    • Stockacher Aach
    • sowie die Kläranlagen Hechingen, Albstadt-Ebingen und Albstadt Lautlingen, die aufgrund der Farbproblematik (Textilindustrie) bereits seit ca. 20 Jahren in Betrieb sind.

In Bau oder Planung befinden sich: Stuttgart, Karlsruhe, Laichingen, Emmingen-Liptingen, Lahr, Ravensburg und Ulm/Neu-Ulm.

Der Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft wies darauf hin, dass auch der Abwassersektor einen wichtigen Beitrag zum Energiesparen und zur Energiegewinnung leisten kann. „Energieintelligente“ Kläranlagen könnten eine hohe Reinigungsleistung bei effizientem Energieeinsatz erzielen. Gleichzeitig sollten Potenziale zur Energiegewinnung verstärkt genutzt werden. „Das Land fördert Konzeptionen zur Energieoptimierung einschließlich Wärmerückgewinnung im Bereich Abwasser daher mit 50 Prozent“, so Franz Untersteller.

Erfreut zeigte sich der Minister von der zunehmenden energetischen Nutzung des bei der Reinigung anfallenden Klärschlamms. Der Anteil liegt nun bei rund 91 Prozent. „Es ist viel sinnvoller, den mit großem Aufwand aus unserem Abwasser separierten Klärschlamm thermisch zur Energieerzeugung zu nutzen als ihn wieder auf unseren Feldern und Nahrungsmitteln auszubringen“, erklärte Franz Untersteller. „Dies schützt unsere Böden vor dem Eintrag von Schwermetallen oder Arzneimittelrückständen und unser Grundwasser vor Belastungen mit Stickstoff.“

In diesem Zusammenhang wies der Umweltminister auf die Phosphor-Rückgewinnungsstrategie des Landes hin: „Wir können den im Abwasser enthaltenen Phosphor auch aus dem Klärschlamm oder der Klärschlammasche zurückgewinnen.“ Die Landesregierung unterstütze die Entwicklung innovativer Verfahren, daher wurde auch das Projekt zum Phosphorrecycling auf der Kläranlage Offenburg mit über 500.000 Euro gefördert.

Weitere Informationen:

zum vollständigen „Lagebericht 2013“:
www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/104603/

zur Phosphor-Rückgewinnungsstrategie Baden-Württemberg:
www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/102757/