In Heidelberg hat sich das Aktionsbündnis „Unterer Neckar“ gegründet, ein Zusammenschluss aus BUND, NABU, LNV und engagierten Bürgern. Anlässlich des Aktionstages „Lebendiger Neckar“ am 21. Juni 2015 kritisierte das Aktionsbündnis den teilweise bedenklichen Zustand des Flusses und der örtlichen Schutzgebiete. Vor allem die Umsetzung der Hochwasserschutzverordnungen, aber auch das Verhalten der Menschen in den Schutzgebieten entlang des Neckars seien problematisch.

„Der ‘lebendige Neckar’, wie er heute gefeiert wird, ist in akuter Gefahr. Zwischen Heidelberg und Mannheim sind zahlreiche Brennpunkte entstanden, an denen rasches Handeln erforderlich ist. Naturschutzgebiete werden als Partylocation genutzt und die Vegetation am Neckarkanal und -damm teils vollständig gerodet. Wir sind derzeit auf dem besten Weg, einen der letzten naturbelassenen Bereiche der Region zu vernichten und wiederkehrende Neubürger wie den Biber, wieder zu vertreiben“, sagte Tobias Staufenberg, Regionalgeschäftsführer beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND).

Ein zentrales Problem: Freizeitnutzung in bestehenden Naturschutzgebieten

Ein zentrales Problem ist aus Sicht des Aktionsbündnisses die Freizeitnutzung in bestehenden Naturschutzgebieten. So würde die Ilvesheimer Altneckarschleife im Sommer zur Party- und Grillzone. Trotz der vereinbarten Schonzeitsperrung würde das Gebiet auch weiterhin begangen und nicht ausreichend geschützt. Auch in Edingen-Neckarhausen würden die Kiesbänke im Naturschutzgebiet regelmäßig als Freizeitfläche genutzt.

Starke ökologische Eingriffe stellten die teils massiven Rückschnittmaßnahmen dar, die in 2014 in Heidelberg und Mannheim aufgrund neuer Regelungen zum Hochwasserschutz am Neckarkanal und -damm durchgeführt worden seien. „Die Mitglieder des Aktionsbündnisses sind sich zwar bewusst, dass Hochwasserschutz ein enorm wichtiges Thema ist, fordern allerdings, vorher Einzelfallbetrachtungen durchzuführen und die Auswirkungen auf Natur und Umwelt zu untersuchen“, so das Bündnis.

Weitere Probleme bestünden in der zunehmenden nächtlichen Fischerei auf Großwelse, die sich mittlerweile zum lukrativen Geschäftsfeld entwickelt habe. Auch die Ausbringung von Pflanzengiften am Mannheimer Neckarufer müsse gestoppt werden. „Die Probleme sind jedoch allesamt lösbar, wenn auch wirklich alle – Verwaltung, Bürger, Verbände und Ordnungsdienste – an einem Strang ziehen“, so Thomas Matuszek vom Aktionsbündnis Unterer Neckar.